Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
542 Literaturberichte Abschnitt war die Verfasserin mehr auf vergleichende Vermutungen als auf die Quellen angewiesen, da man in Ungarn schon am Beginn der durch die Denunziationen des Abtes Martinovics einsetzenden Verhaftungswelle alles belastende Material verbrannte. Im Ganzen kann gesagt werden, daß die sehr interessante und exemplarische Arbeit zahlreiche neue Aspekte eröffnet. Vor allem dient sie dazu, die Vorurteile der im Klassendenken erstarrten Historiker über die Rolle des Adels in der europäischen Aufklärung zu beseitigen. Noch 1959 konnte Ernst Wanger- mann in seiner sonst ausgezeichneten Untersuchung „From Joseph the second to the Jacobin trials“ schreiben, daß Graf Alois Batthyány, der Verfasser der revolutionären Schrift „Ad amicam aurem“, paradoxerweise dem Magnatenstand angehörte. Das wird nun nicht mehr möglich sein. Sehr zu wünschen wäre, daß die über die Zipser Lokalverhältnisse hinausgehenden Ergebnisse ihrer schönen Arbeit — und das ist der Hauptteil des Buches — von der Verfasserin auch in französischer oder deutscher Sprache zugänglich gemacht werden könnten. Hans Wagner (Salzburg). L i p g e n s Walter, Ferdinand August Graf Spiegel und das Verhältnis von Kirche und Staat 1789—1835. Die Wende vom Staatskirchentum zur Kirchenfreiheit. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens XVIII: Westfälische Biographie IV) 1. Teilband, Darstellung; 2. Teilband, Quellen und Verzeichnisse. Insgesamt XXI und 832 Seiten. Verlag Aschendorff, Münster in Westfalen 1965. Die vorliegende, äußerst genau gearbeitete biographische Studie geht in ihrer Bedeutung insofern über den lokalen und regionalen Rahmen hinaus, als sich im Leben dieses Kirchenfürsten, erst Fürstbischof von Münster, später Erzbischof von Köln, unter dem Einfluß der französischen Revolution die Wandlung vom absolutistischen Staatskirchentum zur Eigenständigkeit der katholischen Kirche widerspiegelt. In seinen persönlichen Anschauungen und Überzeugungen geht damit Hand in Hand die Wendung von der Aufklärung zum verinnerlichten Christentum. L. hat für diese Biographie umfangreiches Material aus Archiven herangezogen, namentlich den Nachlaß Spiegels; er gelangt damit weit über die bisherige Literatur zum speziellen Thema hinaus. In jeder Phase der Lebensdarstellung wird dabei auch stets die ideengeschichtliche Situation mit berücktsichtigt. Nach dem in seiner Zeit üblichen Aufstieg im Erzbistum Münster erlebte er als Domdechant und stellvertretender Regierungschef den Untergang des Fürstbistums. In der folgenden Zeit der preußischen Herrschaft von 1802 bis 1806 entwickelt Spiegel enge Beziehungen zum Reichsfreiherrn vom Stein. Die napoleonische Herrschaft in Münster (1806—1813) führt ihn zu einer gewissen politischen Resignation, das Staatskirchentum wird toleriert, er wird zum Bischof von Münster ernannt. Erst unter der zweiten preußischen Herrschaft nach den Befreiungskriegen erfolgte Spiegels endgiltige Abkehr vom Staatskirchentum, aber auch jetzt zunächst zögernd und schrittweise. Noch sehen wir ihn auf dem Wiener Kongreß als kirchenpolitischen Berater Hardenbergs. Nach dem Scheitern der nationalkirchlichen Bestrebungen wendet er sich aber