Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 543 immer mehr gegen die restaurative preußische Staatskirchenpolitik. Es kommt zu den ersten Kontakten mit der Verfassungsbewegung in Preußen und damit auch zu den Liberalen. Er weist die Ernennung zum Erzbischof von Köln zunächst zurück, als sie in für ihn unannehmbaren staatshoheitlichen Formen erfolgt. Erst nach der Intervention Roms nimmt er an und spielt von da an eine hervor­ragende Rolle in der katholischen Erneuerungsbewegung im deutschen Raum. Hier finden wir auch Ausstrahlungen seiner Persönlichkeit zu den katholischen Romantikern in Österreich. In seinem zehnjährigen Wirken gelingt ihm der reorganisatorische Aufbau seiner Erzdiözese. Immer heftiger werden die Reibungen mit dem preußischen Staat, besonders seit 1830, in seinen letzten Lebensjahren. Seine Haltung in den Fragen der geistlichen Gerichtsbarkeit, der Feier­tagsregelung, besonders aber der Mischehen, kann vom Standpunkt des modernen Katholizismus allerdings nicht immer und unbedingt als fort­schrittlich bezeichnet werden. Allerdings sollten die Gegensätze zwischen Kirche und preußischem Staat im Rheinland erst unter seinem ungeschick­ten Nachfolger in ihrer vollen Schärfe ihre negative Wirksamkeit er­langen. Der Quellenteil zu dieser vorzüglichen und gründlichen Arbeit bringt sehr aufschlußreiche Ergänzungen zum Text und muß vom Leser unbe­dingt studiert werden. Rudolf Neck (Wien). Winter Eduard, in Verbindung mit Paul Funk und Jan Berg, Bernhard Bolzano — ein Denker und Erzieher im österreichischen Vormärz, öster­reichische Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte, 252. Band, 5. Abhandlung, Verlag Hermann Böhlaus Nach­folger, Wien 1967, 134 Seiten, 1 Abb. Es war hoch an der Zeit, daß in Österreich wieder einmal mit einer Publikation auf Berhard Bolzano aufmerksam gemacht wurde. Bolzano, der wohl als der bedeutendste Philosoph gelten darf, den das alte Öster­reich hervorgebracht hat, gewinnt in einer Zeit mannigfacher Gesprächs­versuche zwischen exakten Wissenschaften, weltanschaulichem Atheismus und Christentum zunehmend an Aktualität. Der katholische Priester, Theologe und Philosoph aus der Schule der böhmischen Aufklärung war gleichzeitig einer der genialsten Mathematiker seiner Zeit und ein Sozial­theoretiker, dessen Ideen — vor allem in östlicher aber auch in westlicher Spielart — heute weitgehend realisiert sind. Als Theologe hat er Gedan­ken vorweggenommen, die gerade jetzt in der modernen katholischen Theologie wieder anklingen. Sehr zu Unrecht beschränkt sich das wissenschaftliche Interesse an Bolzano praktisch auf die Tschechoslowakei und auf die DDR. Von tschechischer Seite wird seit der Zwischenkriegszeit daran gearbeitet, den Nachlaß Bolzanos, der zum größten Teil in Prag liegt, zugänglich zu machen. In der DDR arbeitet der verdiente Bolzanoforscher Eduard Winter, der durch seine historisch-biographischen und philosophiegeschichtlichen Arbeiten sowie durch die Edition der wichtigsten Briefwechsel Bolzanos

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