Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 541 Schilderungen des Pariser Lebens, des Hofes von Versailles und eines Besuches von Bicéire und der Salpétriére werden im Anhang abgedruckt (S. 294—303). Nach der Rückkehr in die Heimat bemühte sich Berzeviczy, in den Staatsdienst aufgenommen zu werden. Joseph II. hat in einer zweistündigen Unterredung selbst die Kenntnisse des jungen Mannes geprüft und seine Zufriedenheit bezeugt. Als Konzipist beim Heeres­kommissariat machte Berzeviczy den Türkenkrieg mit. Schon die Briefe aus dem Ausland spiegeln die zunehmende Ablehnung des aufgeklärten Despotismus Josephs II. wider. Die Wendung zur ständischen und natio­nalen Opposition erfolgte wohl in Übereinstimmung mit der Mehrzahl des ungarischen Adels durch das Freimaurerpatent von 1785, die Einführung der Militärkonskription, die Verschlechterung der Wirtschaftslage im Tür­kenkrieg und vor allem durch die Steuerreform, die die materiellen Grundlagen der Adelsherrschaft in Frage stellte. Vom Frühjahr 1789 stammen zwei einzigartige Dokumente, eine Logenrede „Bemerkungen über die Maurerrey“ (S. 313—316), in der die englisch-amerikanischen Verhältnisse mit denen der Monarchie verglichen werden, und die Schrift „Über Österreichs Grundsätze in der Regierung Ungarns“, die bei aller persönlichen Hochschätzung Josephs eine überaus scharfe Kritik seiner ungarischen Reformen bringt und schon deutlich auf eine notwendige Absetzung der Habsburger in Ungarn anspielt (S. 317—326). Die beiden Aufsätze, die wohl die allgemeine Stimmung wiedergeben, sind deshalb so wertvoll, weil alle ähnlichen Arbeiten anläßlich der Jakobinerprozesse aus Vorsicht beseitigt wurden. Der Ab­schnitt „In der protestantischen Opposition des Landtags“ schildert die Haltung des nunmehrigen Konzipisten beim Statthaltereirat in Ofen. Die Reformer erwarteten sich nun von Leopold II. ein Eingehen auf ihre Pläne, nachdem die Konvention von Reichenbach die preußische Unter­stützung beseitigt hatte. Berzeviczy selbst hat in dieser Zeit eine Schrift für konfessionell nicht getrennte Schulen verfaßt, von denen er sich die Weckung eines ungarischen Nationalgeistes versprach. Ein eigener Ab­schnitt „Der Beamte“ schildert seine Tätigkeit in der Handels- und Städtesektion. Größtes Interesse muß das letzte Kapitel „Auf dem Wege der Refor­matoren“ erregen, das den politischen Weg des Helden und seines Freun­deskreises von 1791 bis 1795 schildert. Nun haben sich auch die Illumi- naten in Ungarn ausgebreitet. Die Verfasserin hat Briefstellen gefun­den, aus denen hervorgeht, daß Berzeviczy zu ihnen gehörte. Er war auch der Initiator der Gründung des Ofener Lesekabinetts 1792, dessen Mit­glieder bald die Aufmerksamkeit der Geheimpolizei erweckten. Lese­gesellschaften sind überall Deckorganisationen der Illuminaten gewesen. Aus ihnen rekrutierten sich auch die Mitglieder der Gesellschft der Re­formatoren, der gemäßigten Stufe der ungarischen Jakobiner. Bei den Prozessen hat man von einer Verfolgung der nicht durch sonstige Aus­sagen belasteten Mitglieder abgesehen, schon wegen der hohen Stellung dieser Männer. Sie mußten jedoch den öffentlichen Dienst auf geben und sich ins Privatleben zurückziehen. Das war auch das Geschick Berzeviczys, der nun mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit begonnen hat. Für diesen

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