Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
540 Literaturberichte handelt es sich um den protestantischen Zipser Adel, der wegen seines Glaubens bis zum Toleranzpatent vom höheren Staatsdienst ausgeschlossen war und sich daher vor allem der Wirtschaft widmete. Da durch den Siebenjährigen Krieg die schlesischen und polnischen Märkte verlorengegangen waren, was sich besonders auf den oberungarischen Weinbau auswirkte, war man hier zu vermehrten Anstrengungen und zur Modernisierung gezwungen. In der Einleitung wird vor allem die Bedeutung der Freimaurerei gewürdigt, die westliches Ideengut ins Land brachte und zunächst die Reformen Josephs unterstützte, bis sie durch das Patent von 1785 in die Opposition gedrängt wurde. Die belgische und die französische Revolution haben dann den protestantischen Adel immer mehr zu einer radikalen, gegen Wien gerichteten Haltung veranlaßt. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit den speziellen Verhältnissen der Zips und ihren Verbindungen zu Polen. Dann folgt die Geschichte der Familie. Der Vater Alexander von Berzeviczy war Tafelrichter, die Mutter stammte aus der Familie Horváth- Stansith. Vom Reichtum der Eltern zeugt das Schloß in Lomnitz, das später von Gregor zum Treffpunkt des oberungarischen Adels gemacht wurde. Vom Vater her bestanden Verbindungen zu Adam Kollár, dem Direktor der Wiener Hofbibliothek, und zu Josef Benczúr, dem Rektor des Preßburger Gymnasiums, dem Lehrer des Führers der ungarischen Jakobiner Josef Hajnóczy. Die Kindheit und die Erziehung Gregors werden eingehend geschildert. Seine Lehrer zu Hause und dann am Käsmarker Lyzeum waren Pietisten, die in Halle ausgebildet worden waren. Schulaufsätze und Reisetagebücher ermöglichen einen genauen Einblick in die Vorstellungswelt des Knaben. Als Rechtspraktikant trat Gregor dann in die Kanzlei Stephan Vays ein, der bei der Vorbereitung des Toleranzpatents eine führende Rolle spielte. Zur Zeit des Papstbesuches kam Berzeviczy mit seinem Chef nach Wien und wurde hier mit den Freimaurern bekannt, die sich gerade in jenen Jahren schnell in ganz Ungarn ausgebreitet haben. Wie sehr der junge Mann von ihnen beeinflußt wurde, zeigt ein Vergleich mit den Themen, die einige Jahre früher der Oberst von Draskovich, der Begründer der kroatischen „Freimaurerei der Freiheit“, den Beamten unter den Mitgliedern seiner Loge gestellt hatte. Sie sind mit den Titeln der späteren Arbeiten Berzeviczys und Hajnóczys fast identisch. Entscheidend für die geistige Entwicklung Berzeviczys wurde sein Studium in Göttingen (1784/85), wo er besonders von Schlözer beeinflußt wurde und Kameralwissenschaften betrieb. In diese Zeit fallen Reisen nach Berlin, Sachsen und Thüringen, wo überall Verbindungen zu bedeutenden Aufklärern aufgenommen wurden. Es ist schade, daß die in deutscher Sprache verfaßten Reiseberichte nicht in den Anhang aufgenommen werden konnten. Hoffentlich findet die Biographin Gelegenheit, dieses Material an anderer Stelle zu edieren. Reisen nach Frankreich, Belgien und England schlossen 1786/87 die Studienzeit Berzeviczys ab. Besonders günstige Eindrücke empfing er in England. Auch der Beginn des belgischen Aufstandes, den er an Ort und Stelle erleben konnte, haben ihn stark beeinflußt. Frankreich hat er weniger günstig beurteilt.