Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 539 seiner religiösen Anschauungen und seines Charakterbildes. An Hand eines Überblickes über die Feldzüge Eugens wird noch einmal das mili­tärische Genie des Prinzen gewürdigt. Problematischer werden seine staatsmännischen Leistungen beurteilt. Der Band schließt für das Gesamtwerk mit Berichtigungen, Ergän­zungen und Personen- und Ortsregister. Als wohltuend empfinden wir im Rahmen des Gesamtwerkes, daß sich der Verf. in militärischen Fragen nur auf das Notwendige beschränkt hat. Er konnte dies umso leichter, als dieses Gebiet ohnedies schon genü­gend erforscht und dargestellt erscheint. Schade ist, daß die Anmerkungen jeweils erst am Ende des Bandes gedruckt sind, doch wird dabei oft Raum für weiterschweifende Erörte­rungen gewonnen. Innerhalb der Gesamtdarstellung kommen m. E. die Leistungen Eugens in den Türkenkriegen zu kurz. Sie sind es allerdings, die seine Bedeutung gerade für die österreichische Geschichte ausmachen. Die Diskrepanz spiegelt sich auch wider in der Heranziehung des türkischen und ungarischen Materials. Hier genießt Westeuropa einen großen Vorzug. Doch liegt eben das Interesse des Verf. als Rheinländer, der in Metz geboren wurde, mehr in dieser Richtung. Zahlreiche Karten und Skizzen und vor allem Abbildungen beleben den Text. Die Stammtafel im 1. Bd. wiederholt die Fehler aus „Geschichte und Abenteuer“. In der Begeisterung für seinen Helden hat uns B. eine Biographie vorgelegt, im guten alten Sinn und dennoch entsprechend den modernen wissenschaftlichen Anforderungen. Die Akribie und Souveränität, mit der er die ungeheure Fülle des Materials verarbeiten konnte, legen Zeugnis ab für eine glückliche Verbindung von Darstellungskraft, Sorgfalt und klarem Urteil. Unser leises Bedauern, daß es kein österreichischer Histo­riker war, der dieses Werk schuf, soll uns nicht daran hindern, dem deutschen Gelehrten für diese große Leistung, die in den letzten Jahr­zehnten kein Beispiel findet, unseren respektvollen Dank zu sagen. Rudolf Neck (Wien). Balázs Éva H., Berzeviczy Gergely, A Reformpolitikus 1763—1795 (Gregor von Berzeviczy, ein Reformpolitiker). Magyar Történelmi Társulat. Aka­démiai Kiadó, Budapest 1967, 388 S. Diese ausgezeichnete Biographie behandelt die Jugend und Entwicklung des berühmten ungarischen Volkswirtschaftlers Berzeviczy, ein von der Forschung bisher übersehenes Kapitel, das wegen der damals den un­garischen Adel beeinflussenden Faktoren von großer Bedeutung ist. Für Österreich wäre diese erschöpfende, auf genauem Quellenstudium fußende Untersuchung besonders als Parallele der eigenen Entwicklung in der josephinischen Ära wichtig. Dem des Magyarischen nicht kundigen For­scher wird der große Anhang (S. 219—374) mit Briefen und Aufsätzen Berzeviczys willkommen sein, da er fast nur deutsche und lateinische Texte enthält. Darauf nachdrücklichst hinzuweisen, ist der Hauptzweck dieser Besprechung. Gleichzeitig entsteht ein anziehendes Bild der unga­rischen Adelsgesellschaft, die beim Fehlen eines Bürgertums damals noch der Hauptträger der Reformgedanken war. Bei dem Kreis um Berzeviczy

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