Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

538 Literaturberichte wettzumachen. In den Krisen der nächsten fünf Jahre namentlich im Westen Europas und im Reich, in der Frage der Pragmatischen Sanktion gelang es ihm, sich dem Kaiser unentbehrlich zu machen. Ob seine Rück­kehr zu den Tendenzen der alten Allianzpolitik mit den Seemächten er­folgversprechend war, mußte man allerdings erst abwarten. Im fünften und letzten Band 6) findet B.s Werk seinen krönenden Ab­schluß. Er schildert zunächst den Prinzen als den großen Bauherrn und Sammler seiner Zeit. Dabei werden auch die materiellen Grundlagen der kulturellen Tätigkeit Eugens nicht vernachlässigt. Wir erfahren näheres über die Einkünfte, die es ihm ermöglichten, als großzügiger Arbeitgeber die Künstler, die sich in umfassender Weise in seinen Stadt- und Land­schlössern manifestieren konnten, zu finanzieren. Seine Gärten, seine Menagerien wetteiferten mit denen der ersten Fürsten Europas. Berühmt waren auch seine Sammlungen, seine antiken Plastiken, seine Gemälde und Kupferstiche. Er verfügte über eine reiche Handschriftensammlung und über die Bibliothek gibt der Verf., was ihren Umfang und ihre Zu­sammensetzung betrifft, besonders genau Aufschluß. Auch sonst werden wir noch über das persönliche Leben und Wesen des Prinzen ausführlich unterrichtet. Seine Vergnügungen, Reisen, Jagden u.s.w. werden auf dem gesellschaftlichen Hintergrund des Wien seiner Zeit skizziert. Schwierig bleibt dem Historiker der Zugang zum menschlichen Wesen Eugens. Sein Verhältnis zu seinen Verwandten gibt hier nur wenig Aufschluß. Noch komplizierter sind seine Beziehungen zur Weiblichkeit; jedenfalls haben Frauen wie die Gräfin Batthyány und die Gräfin Stratmann eine Rolle im Leben dieses im Grunde einsamen Charakters gespielt. Übersichtlicher sind die mehr kühleren Beziehungen zu Freunden, Kameraden und Kollegen. Seine philosophischen Neigungen erfahren bei B. eine eingehende Würdigung. Er hatte Beziehungen zu allen großen Denkern seiner Zeit: Leibniz, Rousseau, Montesquieu, Voltaire, zu dem Verfechter der moder­nen Friedensidee Abbé Saint Pierre und zu dem Italiener Vico. Vor dem Abschluß wirft B. noch einen Blick auf den tragischen Aus­gang dieses heroischen Lebenslaufes. Die mannigfachen Krankheiten be­wirkten schon Jahre vor dem Tod einen Verfall der Leistungskraft des Prinzen. Dies hatte nicht nur auf seine politischen Aktionen Rückwirkun­gen, sondern vor allem auch auf seine letzte militärische Leistung. Sein Versagen im Feldzug von 1734, dessen Zeuge der junge Kronprinz Fried­rich von Preußen wurde, hat den alten Feldherrn besonders geschmerzt, zumal er von seinen Widersachern in Wien, die es immer gab, vor und nach seiner Rückkehr schonungslos kritisiert wurde. Zwei Jahre später hat ihn der Tod erlöst. Da er kein gültiges Testament hinterließ, fiel sein Erbe an seine Nichte, die Prinzessin Victoria, deren merkwürdiges Lebens­schicksal B. noch kurz verfolgt. Aus dem Nachlaß des Prinzen kam jeden­falls das meiste in den öffentlichen Besitz. Abschließend bemüht sich der Verf. noch um eine zusammenfassende Würdigung des Menschen Eugen, seiner Erscheinung, seines Auftreten, 6) Bd. V. Mensch und Schicksal. 1985. 576 Seiten mit 25 Abbildungen.

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