Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 537 Folge des Friedensschlusses und erbrachte in den folgenden Jahren zahl­reiche menschlich ansprechende Zeugnisse. Mit der Persönlichkeit des neuen Herrschers zogen in Wien auch einige Wandlungen im Regierungssystem ein. Eugen hat sich im Frieden aber rasch den neuen Verhältnissen anzupassen vermocht. Die Unruhe, die die westeuropäische Politik besonders nach dem Tod des Sonnen­königs kennzeichnete, wies die kaiserliche Politik und ihren aktivsten Verfechter wieder nach dem Osten. Der Türkenkrieg von 1716—1718 führte den Prinzen Eugen von Savoyen zu den höchsten Gipfeln des Ruhms. Der märchenhafte Erfolg von Belgrad, der die Gestalt des siegreichen Feldherrn selbst im Volks­lied verewigte, hat allerdings die Zahl seiner Neider und Feinde am Wie­ner Hof keineswegs verringert. Bei den Vorbereitungen der Friedens­verhandlungen bewies Eugen einmal mehr seine hohen diplomatischen Fähigkeiten. Der Friedensvertrag von Passarowitz bedeutet den Höhe­punkt der österreichischen Geschichte, zugleich auch von Eugens Lebens­weg. Der 4. Bd. ist den Friedensjahren von 1718 bis 1732/33 gewidmet5). Hier hat der Verf. auf Grund seiner jahrzehntelangen Studien das meiste neue oder weniger bekannte Material verwerten können. Es ist ungeachtet des äußerlich ruhigen Verlaufs eine krisenreiche Zeit. Der Höhepunkt im Dasein des Prinzen und in der österreichischen Politik konnte nicht lange gehalten werden. Viele Affären und Intrigen verbittern Eugen, der sich mit seinen klaren politischen Anschauungen beim Hof nicht immer durch­zusetzen vermag. Er erlebt bereits ein typisch österreichisches Schicksal. In der Ostpolitik erkennt er schon frühzeitig die Bedeutung Rußlands und die Gefahr, die dem Hause Österreich von dem Zarenreich droht. Die Zeichnung, die B. dem Leser von der Persönlichkeit Karls VI. bietet, ist wohl zu günstig ausgefallen; sie berührt gerade in einer Eugen- Biographie etwas merkwürdig. Sehr ausführlich schildert der Verf. die Tätigkeit des Prinzen als Generalstatthalter in Belgien. Hier konnte er seine ausgezeichnete admi­nistrative Begabung beweisen, die sich bereits in Mailand bewährt hatte. Es gelang ihm bald, in den österreichischen Niederlanden die zerrüttete Verwaltung wiederherzustellen und namentlich auch in die Finanzen Ord­nung zu bringen. Sein Interesse für die kolonialen Bestrebungen zeigen ihn auf der Höhe der Machtpolitik seiner Zeit, die immer mehr auch das wirtschaftliche Moment in den Vordergrund schob. B. beschäftigt sich auch eingehend mit der Stellung des Prinzen zum Jansenismus, der damals in Belgien gerade seinen großen Aufschwung nahm. Seine Haltung war im Sinne des Staatsinteresses von einer mäßigenden Toleranz bestimmt. Als Eugen Ende 1724 infolge mancherlei Kabalen seinen Abschied von den Niederlanden nahm, kehrte er wieder auf das Gebiet der kaiserlichen Außenpolitik zurück. Seine Tätigkeit wurde ihm allerdings auch hier von innen her, durch die Parteiungen am Hofe Karls VI., nicht erleichtert. B. weist jedoch überzeugend nach, wie es Eugen gelang, seinen Macht­verlust alsbald durch den Aufbau einer eigenen Geheimdiplomatie wieder ä) Bd. IV. Der Staatsmann. 1965. 497 Seiten mit 25 Abbildungen.

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