Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

536 Literaturberichte für den Feldzug von 1705. Der Thronwechsel nach dem Tod Leopolds I. gibt B. die Gelegenheit einer fundierten Charakterisierung Josephs I. und seiner Umgebung. Der junge Monarch bietet dabei ein sehr wenig gün­stiges Bild. Der Feldzug von 1706 mit dem Übergang über die Etsch und dem Sieg bei Turin endete mit der Kapitulation der Franzosen in Oberitalien und stellte neuerlich leuchtend das Feldherrngenie unter Beweis. Nunmehr konnten die Verbündeten daran denken, den Krieg in Frankreich selbst fortzusetzen. Die ersten Operationen Eugens als Reichsfeldmarschall brachten jedoch in dieser Richtung eher Mißerfolge. Dennoch lehnte er die Übernahme des Kommandos in Spanien ab und blieb auf dem französischen Kriegsschau­platz. Zusammen mit Marlborough traf er die Vorbereitungen für den Feldzug von 1708, der zum großen Sieg von Oudenaarde und zur Erobe­rung von Lille führte. Der Verf. erörtert in der Folge sehr ausführlich die Friedensverhand­lungen von 1709/10, namentlich das Problem, ob die Verbündeten ihre Forderungen gegenüber Ludwig XIV. nicht überspannt hätten. Die Frage betrifft die Persönlichkeit des Prinzen in vollem Maße, da er den Fort­gang der Verhandlungen entscheidend mitbestimmt hat. Eine klare und eindeutige Beantwortung dieser Fragen bleibt uns der Verf. schuldig und beschränkt sich darauf, die mannigfachen Momente anzuführen und zu beleuchten, die den Prinzen in seinen Entscheidungen beeinflußt haben. Sicher war sein Mißtrauen gegen die Ehrlichkeit der französischen Offerte nicht grundlos. Auch die militärische Entwicklung in diesen beiden Jahren läßt hinsichtlich der Möglichkeit einer Verständigung Zweifel auf kommen; überhaupt darf die europäische Gesamtsituation nicht außer Acht gelas­sen werden. Allgemein konnte man eher annehmen, daß sich die Lage auch weiterhin zugunsten des Kaisers ändern werde. Die entscheidende Wendung durch einen Zufall, den Tod Josephs I., hat kein Staatsmann der Zeit voraussehen können. Mit diesem neuerlichen Thronwechsel, der einen schweren Schlag für den Prinzen bedeutete, setzt der 3. Band der Biographie ein 4). Jetzt er­wachsen Eugen in erster Linie diplomatische Aufgaben. Zunächst gilt es, die Seemächte bei der Stange zu halten. Hier erlebte der Prinz seine schmerz­lichsten Mißerfolge. Seine Reise nach London konnte trotz aller äußeren Ehrungen, mit denen man ihm begegnete, die Ungnade seines Freundes Marlborough und in weiterer Folge den Sonderfrieden der Verbündeten des Kaisers nicht verhindern. Die Erfolge der französischen Waffen 1713 bestimmten den Prinzen zu strategischer Zurückhaltung und zur Sicherung des Erreichten. Er drängt auf Verhandlungen, während er auf die unversehrte Erhaltung der Streit­kräfte bedacht war. B. gibt eine ausführliche Schilderung der langwieri­gen Verhandlungen Eugens mit Villars in Rastatt sowie auf dem Reichs­friedenskongreß in Baden. Die Freundschaft Eugens mit Villars war eine 4) Bd. III. Zum Gipfel des Ruhms. 1964, 463 Seiten mit 23 Abbildungen und einer Karte.

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