Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
Rezensionen 535 erfolgte, als er nach der Rückkehr nach Wien an der Jahreswende 1696/97 das Kommando in Ungarn übernahm. Hier hatten sich in den letzten Jahren die Dinge wieder zum Schlechten gewendet. Die Macht der Osmanen war neuerlich erstarkt. Versäumnisse auf kaiserlicher Seite, vor allem die Finanzmisere, hatten diese Entwicklung ermöglicht. Auch Eugen hatte bei der Aufstellung seiner Armee mit den mannigfaltigsten Widrigkeiten, auch personeller Natur, zu kämpfen. Daß ihm sein Vorhaben dennoch gelang, beweist eindrucksvoll sein großer Sieg von Zenta. B. gibt darüber einen klaren knappen Bericht. Der Bedeutung des Erfolges entsprach die Zahl der Neider in Wien. Sie sollten fortan die ruhmvolle Laufbahn Eugens ständig begleiten. An jedem seiner Siege wurde herumgemäkelt, doch hielt der Kaiser zu seinem Feldherrn. In der Folge seines Sieges unternahm der Prinz einen Streifzug nach Bosnien und auch der Feldzug des Jahres 1698 verlief mit Erfolg. Die Türken zeigten sich um des Friedens willen zu Opfern bereit und so konnte Eugen Anfang 1699 in Karlowitz endlich den langen Krieg gegen die Pforte auch diplomatisch beenden. Anläßlich der Rückkehr des Prinzen nach Wien wird die Lage in der Residenzstadt ausführlich beschrieben. Der Sieg wurde mit prunkvollen Festen gefeiert, Peter der Große weilte damals am Kaiserhof. In jener Zeit, als Eugen seine ersten größeren Güter erwarb, namentlich in Ungarn, beginnt auch seine Bautätigkeit. Für die Zukunft des Prinzen noch wesentlicher wurde in diesen Jahren nach Karlowitz sein Eintritt in die Politik. 1700 wurde er Mitglied des Geheimen Rates und die Vorbereitungen zum großen Krieg um die spanische Erbfolge, der sich immer deutlicher abzuzeichnen begann, ließen immer mehr die Notwendigkeit einer starken politischen Rückendeckung und Fundierung seiner militärischen Stellung erkennen. Als der Krieg ausbrach, hatte Eugen den Feldzug in Italien bereits gründlich vorbereitet und der berühmte Marsch über das Gebirge hob aufs neue sein strategisches Ansehen. Dennoch wurden die Konflikte mit den Wiener Kriegsbehörden immer schärfer. Erst seine Ernennung zum Präsidenten des Hofkriegsrates bezeichnete seinen Erfolg auch auf der politischen Ebene. Im zweiten Band 3), der den größten Teil des spanischen Erbfolgekriegs beschreibt, wird der Kampf Eugens gegen die Widerstände in Wien weiter verfolgt. Trotz des Aufstandes der Ungarn im Rücken verlaufen die Operationen in Deutschland gegen die Franzosen glücklich. Den düsteren Aussichten um die Jahreswende 1703/04 begegnet Eugen mit durchgreifenden Reformen vor allem beim Heer; die grundlegende Besserung der Finanzen kann er allerdings nicht erreichen. Bei Höchstädt beginnt die enge Freundschaft des Prinzen mit dem Herzog von Marlborough. B. schildert diese bedeutungsvolle Schlacht besonders anschaulich und ausführlich. Doch neuerlich setzt in Wien der Kampf am Hof um die Macht ein und nur die Drohung mit seinem Rücktritt verschafft dem Prinzen die Mittel 3) Bd. II. Der Feldherr. 1964. 496 Seiten und 21 Abbildungen.