Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

530 Literaturberichte seine Eindrücke festhält. Als sozialer Typ manifestiert er den Aufstieg des höheren Bürgertums in den höheren Offiziersstand, ein Prozeß, der beson­ders in der Folge des Jahres 1866 effektiv werden sollte. Der Wert des Buches wird gerade durch diese Edition besonders für den Fachhistoriker erhöht. Rudolf Neck (Wien). J e n k s William A., Austria under the Iron Ring 1879—1893. — Charlottesville, The University Press of Virginia (1965) IX. 332 p. Das von R. John Rath herausgegebene Austrian History Yearbook hat in seinen bibliographischen Übersichten erkennbar gemacht, wie inter­national die Erforschung des franzisko-josephinischen Zeitalters in den letzten 20 Jahren geworden ist. Doch wenn man versucht, die zahlreichen Monographien, Quelleneditionen und Aufsätze über diese Periode the­matisch zu gliedern, dann ergibt sich das Fazit, daß zwar die Zahl der Arbeiten gewaltig angewachsen ist, daß aber die Themenwahl immer noch an der gleichen Schwäche krankt, die schon Josef Redlichs Biographie Kaiser Franz Josephs gekennzeichnet hatte: die Frühzeit von 1848 bis 1867 ist in vielen Einzelheiten erforscht, die Spätzeit, etwa von der Wahl­reform von 1906 und der Annexionskrise 1908 bis zum Zusammenbruch auch dokumentarisch bestens belegt. Aber für die 70er, 80er und 90er Jahre gibt es — von einigen grundlegenden Studien wie etwa Sutters Werk über die Badenikrise abgesehen — keine wirklich befriedigenden und abschließenden Darstellungen, ja nicht einmal allzu viele Aufsätze über Einzelfragen. Ergänzend zu dieser chronologischen Unausgeglichen­heit läßt sich auch thematisch eine sehr einseitige Ausrichtung der For­schungsarbeiten erkennen: einer Überfülle von Arbeiten über Außen­politik und zu dem Problemkreis der Nationalitätenfrage als theoreti­schem Problem stehen nur wenige Arbeiten über die eigentliche Innen­politik und außerhalb der kommunistischen Länder fast gar keine Unter­suchungen der Sozialgeschichte dieser Periode gegenüber. Dabei sind ge­rade die beiden Jahrzehnte von 1870 bis 1890, wie immer wieder ange­deutet, nie aber richtig erforscht wurde, der Ursprung der heute noch bestimmenden Gesellschaftsordnung in Österreich: nicht nur die politi­schen Parteien Österreichs lassen sich auf jene Jahre zurückverfolgen, wie Wandruszka ausgeführt hat, sondern auch die Sozialgesetzgebung hat in jenen Jahren ihren Beginn, das Schulwesen ist in seinem Grund­charakter damals geprägt und bis heute nur wenig verändert worden. Und die soziale Problematik des 20. Jhts. findet sich bereits in jenen Jahrzehnten gesteigerter Urbanisierung und Industrialisierung; Wien etwa ist doch gerade erst in jenen beiden Jahrzehnten zur modernen Groß­stadt geworden. All dies ist als These bekannt, blieb aber bisher in der Forschung wenig berücksichtigt, die Leistungen der liberalen 70er Jahre wurden aus dem antiliberalen Ressentiment der späteren Zeit abgewertet, das konservative Regime des Grafen Taaffe vom Antikonservatismus mit dem Schlagwort des „Fortwursteins“ abgetan und von der großdeutschen Geschichtsbetrachtung wegen seiner nationalen Ausgleichspolitik ver­urteilt. Nach 1945 wurden an der Universität Wien als Dissertationen

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