Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
Rezensionen 529 Staatshandbuch des Kaiserthumes Österreich“ — Behörden, Schulen, Kulturanstalten etc. in der Lombardei und Venezien Vorkommen, versteht sich doch von selbst und müßte nicht eigens hervorgehoben werden. Auf den Inhalt des Buches im einzelnen einzugehen, lohnt sich wohl kaum. Gut gelungen ist dagegen der Bilderteil, in dem vor allem die reproduzierten Flugblätter von Interesse sind. Walter Wagner (Wien). Wandruszka Adam, Schicksalsjahr 1866. Verlag Styria, Graz 1966. 304 Seiten. Bei dem vorliegenden Band handelt es sich um eine Jubiläumsschrift, freilich von höherem Niveau. Der Verf., der bekannte Biograph Leopolds II., ein österreichischer Historiker, der leider noch immer im Ausland wirkt, verleugnet nicht den starken Einfluß seines Lehrers Srbik. Dies wird der F.ez., der trotz aller Bedenken die „Deutsche Einheit“ für die gediegenste Leistung des großen Historikers hält, nicht bedauern. Es ist nur die Frage, ob wir heute nach dem Zweiten Weltkrieg nicht doch bei der Beurteilung der Vorgänge vor hundert Jahren über Srbik hinaus neue Gesichtspunkte berücksichtigen sollten. Dies ist m. E. im vorliegen- ' den Band zu wenig der Fall. W. stellt das „Schicksalsjahr“, wie er es nennt, in den Rahmen der historischen Entwicklung vom Wiener Kongreß bis in die Gegenwart und hier wäre mehr zu sagen gewesen. Gegen die Darstellung der frühen Zeit, die an sich nichts Neues bringt, läßt sich kaum etwas einwenden. Der Verf. analysiert alle historischen Komponenten, die im Jahr 1866 münden, vor allem die italienische Frage und mit besonderer Berücksichtigung der Zeit seit 1848 die deutsche Entwicklung. Sehr richtig ist es, dabei das sog. „dritte Deutschland“, die Mittel- und Kleinstaaten des Deutschen Bundes, besonders zu berücksichtigen. Die Darstellung der Vorgeschichte des Krieges ist in knapper Form einwandfrei geglückt. Die Katastrophenpolitik des Wiener Hofes wird mit vornehmer Zurückhaltung beurteilt, weniger die österreichische Strategie im Feld. Was W. über die Folgen des Friedens bis in die Gegenwart zu sagen hat, scheint mir — wie bemerkt — zu wenig. Namentlich hätte die Bedeutung des Jahres 1866 nicht nur für Europa und die heutige Situation Deutschlands Umrissen werden sollen, sondern auch im speziellen Bezug auf die heutige Stellung des kleinen neutralen Österreich. Sehr wertvoll sind die in einem umfangreichen Anhang gebotenen Auszüge aus dem Tagebuch des österreichischen Generalmajors Moering von 1866. Wohl nicht in hervorragender Position, aber doch mitwirkend zunächst an den militärischen Ereignissen des südlichen Kriegsschauplatzes, wurde Moering in der Folge vor allem an beiden Fronten für wichtige militärdiplomatische Missionen verwendet. Mit Recht hebt W. hervor, daß die Aufzeichnungen Moerings nicht nur wegen seiner Funktionen von Bedeutung sind. Hier offenbart sich ein aufrechter Charakter mit Einsicht, Festigkeit und klarem Urteil, unvoreingenommen und frei vom Dünkel vieler seiner Standesgenossen, der in nüchterner Sachlichkeit Mitteilungen, Band 20 34