Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
Rezensionen 519 leitung hingewiesen. Gerade in den behandelten Jahren ist noch alles in Schwebe, ungeheure Schwierigkeiten stellen sich den Verhandlungen entgegen. Unverkennbar sind die Rückwirkungen der Vorgänge auf den Kriegsschauplätzen. Die schwedischen Unterhändler hatten relativ freie Hand bei den Verhandlungen, da sie von daheim nur selten mit Weisungen versehen wurden. Besonders auffällig ist wieder das rücksichtslose Verhalten der Schweden gegenüber ihren Verbündeten; dabei spielt das Verhältnis zu Frankreich eine besondere Rolle. Hier werden die französischen Korrespondenzen die notwendigen Ergänzungen bringen, bevor man sich ein endgiltiges Bild wird machen können. Überhaupt ist es nach Plan und Anlage der Ausgabe erst nach weiteren Bänden möglich, über die Einzelheiten hinaus weitere Zusammenhänge zu sehen. Es ist daher äußerst wünschenswert, daß die weiteren Bände in möglichst schneller Folge erscheinen. Was bisher von der Edition vorliegt, berechtigt zu den schönsten Hoffnungen. Dies gilt auch für die Publikationen, die sich neben der Aktenedition mit den Fragen des Westfälischen Friedens befassen und von derselben Vereinigung betreut werden. Hier liegen mit Band 2 und 3 neue wertvolle Studien vor. Die Arbeit von Wolff beschäftigt sich unmittelbar mit Vorgängen auf dem Kongreß, indem sie die Rolle der beiden Religionsparteien im Reich untersucht. Die Studie beruht zum großen Teil auf unveröffentlichten Archiv quellen, vor allem aus dem Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv, verfolgt aber in erster Linie verfassungsgeschichtliche Gesichtspunkte im Hinblick auf die konfessionellen Auseinandersetzungen. Der Verf. geht dabei zurück und untersucht kurz die Rolle der beiden Konfessionen als eigentliche Machtfaktoren in der Verfassungswirklichkeit des Reiches seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Damit stand die Entwicklung im offenen Widerspruch zu der alten Reichsidee der Einheit von Sacerdotium und Imperium, ein Widerspruch, an dem am Anfang des 17. Jahrhunderts die Reichsverfassung zerbrach. W. schildert ausführlich die Ausbildung der Corpora im Zeitalter der konfessionellen Kämpfe in allen ihren Phasen für die die Jahre 1529 (Speyer) und 1555 (Augsburg) kennzeichnend sind Entscheidend für die Entwicklung wurde die Festigung des Brauchs der Corpora, untereinander zu verhandeln. Auf dem Friedenskongreß von Münster und Osnabrück erfolgte nunmehr die Beteiligung der beiden Corpora in Form der „allgemeinen, außerordentlichen Reichsversammlung“. Der Verf. untersucht eingehend die Zusammensetzung und Organisationsformen beider Körper. Gruppenbildungen sind beiderseits festzustellen. Auf katholischer Seite standen unter spanischem Einfluß Extremisten gegen die Laxisten, auf Seiten der Protestanten machten sich wieder Gegensätze zwischen Lutheranern und Calvinisten bemerkbar. Im allgemeinen scheinen jedoch beide Gruppen in den Verhandlungen fest gefügt. Innerhalb der allgemeinen Reichsversammlung fanden die Corpora faktische Anerkennung, obwohl ihnen die reichsgesetzliche Legitimation noch fehlte. Symptomatisch für die Entwicklung war es laut W., daß bei der Beratung des Trauttmansdorffschen Friedensprojekts bis Oktober 1647