Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 19. (1966)
SPRUNCK, Alphonse: Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat im Dienste des Hauses Österreich während des spanischen Erbfolgekrieges
116 Alphonse Sprunck Reformen im Sinn einer Zentralisation der monarchischen Autorität, wie Ludwig XIV. sie in Frankreich und sein Enkel in Spanien nach der teilweisen Besetzung dieses Landes durchgeführt hatten, mußten Mißfallen erregen, hauptsächlich in den Provinzen Aragon, Katalonien und Valencia, die schon ähnlichen Bestrebungen Philipps II. und Philipps IV. Widerstand geleistet hatten. Am 21. Juli hatte Zinzerling an Quiros geschrieben, daß er immer von ihm erhofft hatte, er würde in diesem Kriege Partei für Österreich ergreifen 3). Einen diplomatischen Erfolg gegen die Vertreter Ludwigs XIV. hatte Quiros 1697 in Ryswyck durch die Rückerstattung des Herzogtums Luxemburg ohne jegliche Kompensation erreicht. Seine spätem Schwierigkeiten mit Max Emmanuel und der Gemahlin Philipps von Anjou konnten seine Anhänglichkeit an das Haus Habsburg nur verstärken. Schon als Gesandter im Haag hatte er sich um die Angelegenheiten der spanischen Niederlande sehr eifrig gekümmert. Die Bevölkerung dieser Provinzen empfand tiefe Verachtung für die Madrider Regierung, die ihr Gebiet nicht gegen die Ausdehnungspolitik Ludwigs XIV. schützen konnte. Anderseits war sie zufrieden, daß diese ihre althergebrachten Sonderrechte achtete und keine Reformen durchführte; die Stände der einzelnen Provinzen konnten gerade die Schwäche Spaniens benutzen, um ihrem Lande eine Sonderstellung unter den andern Gebieten dieser Monarchie zu sichern, sodaß diese Provinzen einen Überrest des burgundischen Staates bildeten. Auch in den katholischen Niederlanden hatte Philipp von Anjou nach dem Eindringen seiner Truppen ähnliche Reformen durchgeführt, wie sein Großvater in Frankreich. Nach der Schlacht bei Ramillies wurden die Truppen der Verbündeten als Befreier angesehen; die Haltung der Bevölkerung wurde bestimmt durch dieselben Gründe, die auch für Aragon, Katalonien und Valencia galten. Aber wie aus zahlreichen Briefen von Quiros an Erzherzog Karl hervorgeht, dauerte diese günstige Stimmung der Flamänder und Brabanter gegenüber den Engländern und Holländern nicht lange. In Briefen an Liechtenstein und Moles vom 12. Juli 1708 faßte Quiros sie kurz zusammen4). Die Unordnung in der Verwaltung und die selbstsüchtige Handelspolitik der Holländer hemmten das wirtschaftliche Leben in den südlichen Niederlanden, deren Provinzialstände dem Erzherzog keinen Huldigungseid leisten durften, sodaß sie die politische Zukunft ihres Landes als sehr ungewiß ansahen. Um jeden Preis wollten diese die militärische Besetzung benutzen, um die Stellung zu festigen und zu sichern, die sie unter der schwachen Regierung Karls II. mit der Einwilligung seines Statthalters, des bayrischen Kurfürsten dort errungen hatten. Auch dem zukünftigen Herrscher der katholischen Niederlande aus dem Hause Habsburg wollten sie nur eine rein nominelle Herrschaft über das südliche Nachbarland zugestehen. Aus der Korrespondenz von Quiros geht sehr klar hervor, wie wenig