Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 19. (1966)

SPRUNCK, Alphonse: Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat im Dienste des Hauses Österreich während des spanischen Erbfolgekrieges

Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat 117 Österreich in seinem Kampf gegen Ludwig XIV. um das spanische Erbe auf die Seemächte zählen durfte, die wohl eine Schwächung Frankreichs, aber keine Vergrößerung seiner eigenen Machtstellung durch die dyna­stische Verbindung mit Spanien wünschten; auch Spanien sollte nicht mehr in der Lage sein, eine wichtige Rolle in der Weltpolitik zu spielen. Diese Haltung der Verbündeten Österreichs wurde ganz klar beim Ab­schluß der Friedensverträge, die 1714 die Lage in Europa neu gestalteten. Von der Besetzung der katholischen Niederlande bis zu seinem Tode war Quiros in Brüssel in einer sehr eigentümlichen Lage. Tatsächlich war er nur der Vertrauensmann Erzherzog Karls, der im fernen Katalonien für seinen Kampf gegen einen mächtigem Gegner auf die Unterstützung von Verbündeten angewiesen war, die diese ihm nur in beschränktem Maße zukommen ließen. Einen leichteren Standpunkt als mit den General­staaten hatte Quiros mit England, zumal da er mit Marlborough ver­bunden war durch die Bande einer persönlichen Freundschaft, die aber abkühlte, als dieser sich den Holländern gegenüber zu optimistisch und auch zu nachgiebig zeigte. In England empfand das wohlhabende Bürger­tum, genau wie in Holland, den Krieg als eine unangenehme Störung des überseeischen Handels, Marlborough hatte im Parlament zahlreiche Gegner, die der Heeresleitung schlechte Verwendung der Gelder vor­warfen. Die englischen Generäle, die in Spanien kämpften, hatten viele Streitigkeiten unter sich und schoben sich gegenseitig die Verantworung für Mißerfolge zu; Peterborough konnte als schlimmer Intrigant gelten, der gerne internationale Politik auf eigene Faust trieb. Volles Vertrauen konnten Kaiser Joseph und Erzherzog Karl nur auf die Königin Anna haben, die alle Mittel anwenden mußte, um Ludwig XIV. zu besiegen, der die Dynastie der Stuart wieder auf den Thron bringen wollte. Im April 1708 forderten Zinzerling und Wratislaw Quiros auf, vor allem den Engländern zu erklären, ein Sieg Frankreichs würde ihre Freiheit be­drohen und auch für Holland sehr schlimme Folgen haben. Ob der Plan eines Unternehmens gegen Südamerika in England und Holland ernstlich erwogen wurde, läßt sich an der Korrespondenz von Quiros nicht feststellen; sicherlich befürchtete er auch einen teil weisen Verlust der überseeischen Besitzungen Spaniens, als er scharf betonte, auch das Schicksal dieser Kolonien müsse im Mutterlande selbst ent­schieden werden. Wahrscheinlich kam es den Verbündeten vorläufig mehr darauf an, Philipp von Anjou zu hindern, aus den spanischen Kolonien Geldmittel für die beliebig lange Fortsetzung des Krieges zu beziehen. Als sehr erfahrener Diplomat, der die Lage in Holland genau kannte, befürchtete Quiros geheime Friedensfühler mit dem Versailler Hof vor allem seitens der Generalstaaten, wo eine republikanische Partei damit rechnete, die lange Dauer des Krieges könne die Machtstellung des Hauses Oranien verstärken und so das Land tatsächlich zu einer Monarchie um­gestalten. Auch hatte Holland durch den letzten Krieg gegen Ludwig XIV.

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