Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 19. (1966)

SPRUNCK, Alphonse: Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat im Dienste des Hauses Österreich während des spanischen Erbfolgekrieges

108 Alphonse Sprunck flüssig anzusehen und sogar der Gefahr auszusetzen, in französische Ge­fangenschaft zu geraten, hatten sie sich nach Antwerpen begeben. Quiros erklärte Kellers, man dürfe deshalb Pascale keinen Vorwurf machen, man müsse im Gegenteil ihm und General Wrangel für die geschickte Verteidigung der Stadt Dank aussprechen. Tarazena hätte in der Zitadelle von Antwerpen am liebsten ein Regi­ment von Truppen des Erzherzogs gesehen. Trotzdem es nötig war, daß hierfür spanische Truppen verwandt würden, konnten vorläufig gar keine dorthin gesandt werden. Quiros hatte aber Tarazena versprochen, im Falle der Notwendigkeit kein anderes Bataillon, als eines von spanischen Soldaten für die Besetzung dieser Zitadelle zu verwenden. Der Magistrat dieser Stadt hatte sehr guten Willen gezeigt und für diesen Fall die Versorgung mit den nötigen Lebensmitteln zugesagt. Am 6. Dezember bat Quiros den Erzherzog, den Brabanter Ständen, dem Brüsseler Magistrat und der Bürgerschaft, sowie mehreren Persönlich­keiten von Rang seinen Dank für ihre Anhänglichkeit brieflich auszu­drücken und ihn selbst zu beauftragen, dasselbe mündlich zu tun. Auch für Wr angel und Pascale bat er um eine passende Belohnung. Auf einen Brief des Erzherzogs vom 3. Oktober antwortete er am selben 6. Dezember, er habe wegen der Hilfe für Katalonien schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, aber die ganze Sache werde äußerst langsam behandelt, da die Seemächte glaubten, durch die Einnahme von Lille würde Ludwig XIV. gezwungen werden, seine Truppen aus Spanien zu ziehen28). Dennoch wollte Quiros seine Bemühungen nicht aufgeben. Durch Sinzendorf hatte er erfahren, daß Starhemberg einen Offizier an den Wiener Hof ge­schickt hatte, der auch nach Flandern käme; dessen Bitten wollte er unterstützen. Nach Meldungen, die er von Wien und von anderwärts erhalten hatte, würden die 2000 Mann kaiserlicher Truppen erst im Januar oder Februar 1709 nach Katalonien eingeschifft. Demütigungen und schlechte Aussichten aller Art hatten Quiros krank gemacht29). Nach sichern Nachrichten sei ein Geschwader nach dem Mittelmeer abgesegelt. Am 6. Dezember schrieb Quiros auch an Kellers, die Königin von Eng­land halte unbedingt darauf, daß die Zitadelle von Lille, sowie die Städte Gent und Brügge eingenommen werden müßten, bevor die Truppen die Winterquartiere beziehen dürften. Am 27. Dezember schrieb ihm dieser, er billige die Haltung, die er im Haag bei den Besprechungen über den Plan eines Feldzuges nach Südamerika eingenommen hatte. Unter den gegenwärtigen Umständen war es nicht angebracht, ein solches Wagnis zu unternehmen, auch wenn es im Falle eines günstigen Ausganges den Feind seiner Hilfskräfte be­raubt und so den Endsieg erleichtert hätte 30). Quiros sollte die Gründe, die er in seinem Brief an Erzherzog Karl vom 11. Oktober angeführt hatte, noch weiter bei den Ministern der Seemächte geltend machen und sie zu gleicher Zeit ermutigen, Hilfe nach Katalonien zu senden, um dort

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