Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 19. (1966)
SPRUNCK, Alphonse: Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat im Dienste des Hauses Österreich während des spanischen Erbfolgekrieges
Francisco Bemardo de Quiros, ein spanischer Diplomat 109 einen Angriffskrieg zu beginnen; dort würde auch das Schicksal der spanischen Kolonien entschieden werden31). Über weitere Verhandlungen wegen dieses Planes sollte er den Erzherzog auf dem laufenden halten. Nach einem Brief, den Quiros am 13. Dezember an Kellers sandte, hatte er am 12. November durch diesen Schreiben für den Prinzen Eugen, Marlborough und die Generalstaaten erhalten, in denen erklärt wurde, ohne eilige Hilfe für Katalonien sei es unmöglich, den Krieg ruhmvoll zu beenden. Da seine Krankheit ihn hinderte, sich nach dem Haag oder zur Armee zu begeben, hatte er Heems gebeten, mit den Generalstaaten zu verhandeln, während er selbst an die beiden Generäle geschrieben hatte; übrigens wäre eine solche Reise überflüssig gewesen. Den beiden hatte er alle Nachrichten mitgeteilt, die er aus Frankreich erhalten hatte, und auch den Verlust von Denia 32). Am 20. Dezember schrieb Quiros an Kellers in einem teilweise chiffrierten Brief, mehrere hochgestellte und verdienstvolle Persönlichkeiten hätten ihm mitgeteilt, Marlborough habe Pascale ganz inständig beim Erzherzog für den Orden vom Goldenen Vließ empfohlen und dessen Beförderung zum Generalissimus der katholischen Niederlande vorgeschlagen. Quiros war überzeugt, eine solche Belohnung würde andere hochgestellte Persönlichkeiten sehr unzufrieden machen und sie sogar verleiten, der Sache des Erzherzogs nicht mehr zu dienen. Allen, die ihm davon geredet hatten, hatte Quiros erwidert, Marlborough sei dem Erzherzog ganz ergeben und er selbst halte ihn für zu klug und zu ehrlich, um solche Schritte zu unternehmen. Immer erhielt er die Antwort, diese Nachricht sei ganz sicher. Kellers sollte den Erzherzog auf die schlechten Folgen einer solchen Vergünstigung aufmerksam machen. Quiros gab offen zu, daß Pascale sich bei der Verteidigung von Brüssel ausgezeichnet hatte, aber er hatte nur seine Pflicht getan, die andere in demselben Falle auch erfüllt hätten. Von zuverlässiger Seite hatte Quiros erfahren, ein Vertreter der Generalstaaten hätte diese benachrichtigt, Marlborough hätte vom Erzherzog ein Patent für eine lebenslängliche Rente auf die Einkünfte aus den katholischen Niederlanden erhalten. Eine solche Begünstigung würde die Unzufriedenheit der Generalstaaten hervorrufen. Deshalb müsse Erzherzog Karl, einerlei ob diese Belohnung erst geplant oder schon verliehen sei, die nötigen Maßnahmen treffen, um die Einigkeit unter den Verbündeten aufrecht zu halten 3S). Auch Prinz Eugen hatte in Gesprächen mit Quiros erklärt, man müsse sich um den Krieg in Spanien sorgsamer kümmern, als bisher. Den letzten Brief an Kellers schrieb Quiros am 27. Dezember 1708 Er teilte ihm darin mit, daß er durch Heems erfahren hatte, von den