Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 19. (1966)
SPRUNCK, Alphonse: Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat im Dienste des Hauses Österreich während des spanischen Erbfolgekrieges
Francisco Bemardo de Quiros, ein spanischer Diplomat 107 Königin keine Verzeihung erhalten konnten, die andern Widersacher ihre Irrtümer einsahen und die Sache des Erzherzogs begünstigen wollten 26). Obwohl Marlborough versprochen hatte, zu befehlen, daß Bruay für seinen Aufenthalt in London einen angemessenen Betrag erhalten sollte, war zum großen Bedauern von Quiros noch gar nichts geschehen. Der Staatsrat hatte Marlborough am 13. November in einem Glückwunschschreiben den Vorschlag gemacht, er sollte ihm die ganze Verwaltung von Lille und seiner Schloßherrschaft überlassen. Wie Quiros vernommen hatte, wollte der Staatsrat dort dieselbe Verwaltung wie in Menin einrichten. Die Eroberung der beiden Städte hatte die katholischen Niederlande viel Geld gekostet, ohne daß Quiros bis jetzt, trotz seinen Bemühungen, etwas von der Beute für den Unterhalt der österreichischen Truppen erhalten hatte. Er erklärte beständig Marlborough, daß diese dringende Unterstützung nötig hatten. Auch hatte er den englischen General daran erinnert, daß er Befehl hatte, sich den Forderungen der Holländer betreffend die Verpfändung der Aus- und Einfuhrgebühren, sowie jeder andern Aufnahme von Hypotheken zu widersetzen. Am 29. November sandte Quiros dem Erzherzog die Abschrift eines Briefes, den er am 22. an Kellers geschrieben hatte. Diesem hatte er mitgeteilt, daß die sehr wichtige Stadt Antwerpen vom Feinde bedroht war zu einer Zeit, da sie weder über Truppen, noch Lebensmittel verfügte. Trotz einer schweren Krankheit, von der er noch nicht genesen war, hatte er sich nach dieser Stadt begeben. Dank seiner Maßnahmen konnte sie nur mehr durch eine Belagerung eingenommen werden, vorläufig war sie, genau wie Brüssel, außer Gefahr. Ein Anschlag des bayrischen Kurfürsten auf diese Stadt war am Tage zuvor mit großen Verlusten für den Angreifer zurückgeschlagen worden. Dazu kam für Max Emmanuel die Demütigung, daß die Brüsseler Bevölkerung ihm die Tore verschlossen hatte und sich entschlossen gezeigt hatte, die Stadt zu verteidigen. Daraus konnte der Erzherzog erkennen, daß die Einwohner der katholischen Niederlande ihm zugetan waren und nur über die vorläufige schlechte Regierung klagten27). Nach den letzten Meldungen konnte die Kapitulation der Zitadelle von Lille für den 4. Dezember erwartet werden. Welche Folgen sie für die militärischen Operationen in Flandern haben konnte, hing noch von den Umständen ab. Wahrscheinlich auf Befehl von Marlborough sollte Baron Wrangel, der sich mit dem stellvertretenden Festungskommandanten Francisco Pascale bei der Verteidigung der Stadt ausgezeichnet hatte, nach Barcelona reisen, um dem Erzherzog Bericht zu erstatten. Am 29. November schrieb Quiros auch an Kellers, der Marquis von Westerloo, sowie die Grafen de Bruay, Valsasine und Ursel hätten ihm erklärt, trotz ihren militärischen Graden und Erfahrungen hätte der Kommandant von Brüssel sie weder zu Rate gezogen, noch ihre Dienste für die Verteidigung der Stadt verwertet. Um sich nicht selbst als über