Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 19. (1966)

SPRUNCK, Alphonse: Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat im Dienste des Hauses Österreich während des spanischen Erbfolgekrieges

106 Alphonse Sprunck Dem Brief legte er Antworten des Prinzen Eugen, des Grafen Lecher in, sowie ein eigenes Schreiben an Zinzerling bei. Prinz Eugen hatte Quiros am 7. November gemeldet, Truppen würden in Spanien angeworben werden. Die Absendung kaiserlicher Truppen nach diesem Lande hing von England ab. Lecherin hatte Quiros am 6. November geschrieben, er hoffe am 20. in Nymwegen eine Unter­stützung von tausend Mann für Katalonien zu erhalten. Am 8. wollte er sich nach dem Haag begeben, um dort von den Generalstaaten die Erlaubnis zu erhalten, außer diesen noch ein Bataillon von 500 Mann nach Spanien einzuschiffen. Lecherin fürchtete, trotz seinen Bemühungen die andern vom pfälzischen Kurfürsten versprochenen Truppen nicht zu erhalten, da die Generalstaaten diesem bis jetzt keinen Heller bezahlt hatten. An Zinzerling hatte Quiros am 15. November eine Antwort gesandt über mehrere Angelegenheiten, die dieser ihm in einem Schreiben vom 30. Oktober entwickelt hatte. Auch er sah die baldige Entsendung eines Geschwaders nach Sizilien als sehr wichtig an. Besonders ärgerte er sich über die verschiedenen Zahlen von Truppen, die von den kaiserlichen Ministerien von England und Holland angefragt wurden; bald wünschten sie 4000, dann 6000 Mann, dann wollten sie Truppen in Katalonien aus­heben. Quiros hatte immer behauptet, außer der Hilfe der Königin von England brauche der Erzherzog wenigstens 8000 Mann. Wenn die Zahlungsmittel vorhanden wären, würde es nicht an Truppen fehlen. Die einen behaupteten, nach der Einnahme der Zitadelle von Lille würde man ernsthaft an die Hilfe für Katalonien denken, andere meinten, die Truppen hierfür seien schon bereit. Quiros befürchtete aber Verzögerun­gen. Nicht durch Eroberungen in Flandern oder Südamerika, sondern in Spanien mußte der Krieg mit gutem Erfolg entschieden werden; Ver­zögerungen konnten sehr schlimme Folgen haben. Daher mußte das englische Parlament sofort dem Erzherzog die Mittel zur Verfügung stellen, um seine kriegsgeübten Truppen aus Flan­dern nach Katalonien zu bringen; dieser Plan war schon im vorigen Jahre beschlossen worden. Weder für den Transport dieser Truppen, noch für die Anwerbung anderer konnte Quiros Geldmittel versprechen. Vorher mußte auch bestimmt werden, ob sie in Ostende oder in Holland einge­schifft würden; ihr Transport auf dem Landweg nach Italien hätte schon in den vorigen Monaten geschehen müssen. Jedenfalls mußten die Kosten für den Transport vorher berechnet werden. Die Engländer durften vor dieser Ausgabe nicht zurückschrecken, da nur so der langwierige Krieg zu Ende geführt werden konnte. Bei einer Anwerbung von neuen Truppen waren die Ausgaben sehr gering, wenn von denen für Kleidung und Waffen abgesehen wurde. Vom Parlament durfte Quiros um so eher günstige Beschlüsse erwarten, als abgesehen von einigen Deputierten, die die Ehre der Monarchie zu sehr angegriffen hatten und von der

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