Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 19. (1966)

SPRUNCK, Alphonse: Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat im Dienste des Hauses Österreich während des spanischen Erbfolgekrieges

Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat 105 Beschlüsse und Maßnahmen nur die Interessen der Franzosen begünstigen. Quiros war beständig bemüht, die Verbündeten zu überzeugen, daß die Interessen Erzherzog Karls auch die ihrigen waren. Nur durch den Er­werb der ganzen Monarchie Karls II. von Spanien für diesen könnten die Freiheit und das Gleichgewicht von ganz Europa, das sie selbst er­sehnten, gesichert werden. Durch den Marquis de Este sandte Quiros auch dem Erzherzog die Antwort der Generalstaaten auf dessen Schreiben vom 4. August, das er selbst und der kaiserliche Gesandte Heems ihnen übermittelt hatte; auch eine Abschrift der Kapitulation der Bürgerschaft von Lille mit den Gene­ralstaaten legte er bei. In ihrer Antwort, die vom 16. Oktober datiert war, erklärten diese dem Erzherzog, seine beiden Vertreter hätten ihnen auch mündlichen Bericht über die Lage in Spanien erstattet. Sie hofften, durch die zweite Absendung von kaiserlichen und pfälzischen Truppen und die Eroberung von Sardinien habe sich die Lage inzwischen ge- gebessert; in ziemlich prahlerischen Ausdrücken wiesen sie hin auf die Hilfe, die sie dem Erzherzog schon geleistet hatten und versprachen weitere für die Zukunft24). Darum waren sie im Begriff, ins Mittelmeer ein neues Geschwader zu senden mit Truppen, die die Regimenter in Katalonien vollständig machen sollten. Auch mit dem pfälzischen Kur­fürsten hatten sie Verhandlungen betreffend die Lieferung von Truppen für Spanien im Gang. Von Zeit zu Zeit wollten sie auch Subsidien bewilligen aus den Ersparnissen von ihren Bataillonen, die nach der Schlacht von Almansa aufgelöst worden waren und die sie in diesem Jahre nicht mehr auf stellen konnten. Für die Höflichkeitsformel am Schluß ihres Briefes hatten sich die Generalstaaten den spanischen Sitten angepaßt25). In einem chiffrierten Schreiben vom 31. Oktober an Kellers erklärte Quiros ganz offen, der Inhalt seiner Briefe sei melancholisch, denn trotz dem Siege bei Audenarde sei die Lage in Flandern für die Gegner gün­stiger als für Österreich; sehr ärgerlich war er über den Kapitulations­vertrag, den die Bürger von Lille mit den Vertretern der Generalstaaten geschlossen hatten. Aus Mangel an Vorbereitung und Vorsicht von seiten der Vertreter des Erzherzogs gegen die ehrgeizigen Absichten der Holländer konnten dessen Interessen in Zukunft großen Schaden leiden. Gemäß dessen Befehlen hatte Quiros ständige Beziehungen zum Prinzen Eugen und zu Marlborough unterhalten; in Barcelona hatte man diese als unfehlbares Mittel angesehen, um Unterstützung zu erhalten, aber sie hatten zu gar nichts geholfen. Auch in einem Brief an den Erzherzog vom 15. November beurteilte Quiros die militärische Lage in Flandern nicht als besonders günstig, da die Zitadelle von Lille, sowie Gent und Brügge noch immer im Besitz des Feindes waren. Die Hilfe für Katalonien wurde dadurch verzögert, wozu auch die Ungleichheit der Zahlen der verlangten Truppen beitrug.

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