Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BROUCEK, Peter: Alexander Ypsilantis Gefangenschaft in Österreich

Miszellen 555 miing- erhalten18). Im Laufe des Jahres 1822 hatte sich der Gesundheits­zustand aller Insassen, jedoch besonders der von Alexander Ypsilantis stark verschlechtert, bei ihm wurden nach einer ärztlichen Untersuchung Entkräftung, Magenkrämpfe, hektisches Fifeber, Lähmung des linken Armes und „periodische Goldadernkoliken“ festgestellt und die Ent­fernung aus dem sumpfigen Klima für alle Insassen, für den Ältesten außerdem Mineralbäder, empfohlen19). Diese Beschwerden ließ Radetzky, damals Vertreter des kommandierenden Generals in Ungarn, auf Befehl Bellegardes durch einen Generalmajor überprüfen. Die Folge seines Berichts war ein reger schriftlicher Meinungsaustausch zwischen Metter­nich, Bellegarde und Erzherzog Ferdinand, wobei der erstere schließlich dem Kaiser Theresienstadt als neuen Aufenthaltsort der Gefangenen vorschlug 20). Wieder unter strengsten Sicherheitsvokehrungen wurden die Ypsi­lantis' im Juli 1823 von Munkács nach Theresienstadt transportiert und dort unter Aufsicht von General Chiesa festgesetzt. Der General wußte bald zu berichten, daß Alexander Ypsilantis von Angehörigen des Regi­ments Wellington und Kurgästen in Franzensbrunn erkannt worden sei21). Die Klagen des Fürsten begannen jedoch bald von neuem. Er wollte mit Fremden sprechen dürfen, erbat die Entfernung der Schildwache vor seiner Tür, die Ausfahrt in Begleitung eines Offiziers; letzteres wurde ihm nach mehrmaliger Verweigerung schließlich gewährt22). Bis November 1825 waren die Schulden der Gefangenen auf 13.797 fl angewachsen und die Frage der Zahlung der Aufenthaltskosten war es auch, die ab 1823 immer wieder den Gegenstand von Verhandlungen zwischen Wien und Petersburg bildete. Metternich hatte zunächst Nessel­rode bei einer Zusammenkunft in Lemberg im Oktober 1823 eine Note überreicht, in der er die Auswanderungserlaubnis nach den Vereinigten Staaten für die Griechen vorgeschlagen hatte. In einer Unterredung mit Lebzeltern sprach sich Nesselrode dagegen aus, weil Ypsilantis in Amerika wieder zu Berühmtheit gelangen könnte und als Opfer der Tyrannei auf- treten würde. Den Vorschlag, den Gefangenen in einer italienischen Stadt Aufenthalt nehmen zu lassen, lehnte Lebzeltern unter Hinweis auf die überall gegebene Nähe der Küste ab. Schließlich schlug Nesselrode vor, daß Österreich die Aufenthaltskosten bei der Familie Ypsilantis eintreiben sollte und versprach die Unterstützung darauf abzielender Bemühungen23). Da die Prinzessin Ypsilantis jedoch stark verschuldet war, erfolgten nur unzureichende Zahlungen, und als Österreich schließ­18) Y. A. Nr. 40, Brief v. 12. 2. 1823. 19) Y. A. Nr. 49, Ärztliches Gutachten v. 22. 4. 1823. 2«) Y. A. Nr. 52, Vortrag Metternichs v. 24. 3. 1823. 21) Y. A. Nr. 67—Nr. 70, Berichte an Bellegarde vom 18., 21., 23., 29. 8. 1823. 22) Y. A. Weisung Metternichs an Bellegarde v. 3. 4. 1824. 23) B. a. R. Nr. 51 D v. 1. 12. 1823.

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