Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BROUCEK, Peter: Alexander Ypsilantis Gefangenschaft in Österreich

554 Miszellen Türkei nicht wünschte13). Diese Auskunft der russischen Regierung genügte Lebzeltern nicht und er suchte um Unterredung mit dem Kanzler Nesselrode an, in welcher die Frage genauer durchbesprochen werden sollte. In der Aussprache bekräftigte Lebzeltern nochmals die Bereit­willigkeit Österreichs, die Griechen in Munkács festzuhalten, erklärte jedoch gleichzeitig auf die Äußerungen des Russen, daß die Türkei ein­geschüchtert werden müsse, Österreich würde zwar eine feste Haltung einnehmen, aber sich auch nicht von der Aufrechterhaltung korrekter Beziehungen zur Pforte abbringen lassen. Da Österreich jedoch von Ypsilantis und seinen Gefährten befreit werden möchte, würde Metternich gerne die Ansichten Alexanders kennenlernen. Nesselrode versprach diesen Wunsch weiterzuleiten und teilte Lebzeltern noch mit, daß Kapo- distrias, als die Nachricht Metternichs bekannt geworden war, zunächst vorgeschlagen hatte, die Auslieferung Ypsilantis an Rußland zu ver­langen, ihn vor Gericht zu stellen und füsilieren zu lassen. Ob Kapo­distrias diesen Vorschlag nur gemacht hatte weil er wußte, daß der Zar darauf nicht eingehen würde, ließ Nesselrode allerdings offen, und er wies auch weitere Äußerungen Lebzelterns über die Rolle dieses Mannes bei der Entfachung der Revolte am Balkan als falsch zurück. Die Antwort Zar Alexander I. auf diese Anfrage ist, wie aus einem späteren Vortrag Metternichs hervorzugehen scheint, gar nicht erfolgt. Nur Botschafter Tatistschew bat Metternich noch in einem Brief, Ypsi- lanti® die Illusion zu nehmen, daß Rußland ihn frei sehen wolle, dann wurde sein Schicksal im diplomatischen Verkehr fast zwei Jahre hindurch nicht weiter beachtet14). Ypsilantis lebte nun in der Festung Munkács, wurde zwar streng bewacht, sollte jedoch lansonsten milde behandelt werden. Den Gefangenen wurde Spazierengehen im Raum der Festung, besseres Essen und bald auch trotz Bedenken Bellegardes das Lesen des Wiener Beobachters erlaubt15 16). Schließlich ließ Metternich den Gefangenen eine Kiste mit 45 Büchern schicken. Da die Griechen nur wenig Bargeld bei sich hatten, sollte Ypsilantis über die Staatskanzlei an seine Angehörigen um Unter­stützung schreiben dürfen18). Im Laufe der Jahre 1821 und 1822 sandte die Prinzessin Ypsilantis ihren Söhnen zweimal Anweisungen über 4000 fl: diese Gelder waren aber bis Ende 1822 fast ganz aufgebraucht17). Die Prinzessin hatte auch in einem Brief an Metternich um die Mög­lichkeit uneingeschränkter Korrespondenz gebeten und dessen Zustim­13) HHStA, Staatenabteilung Rußland, Bericht (künftig: B. a. R.) Nr. 3 v. 28. 7. 1821. 14) B. a. R., Nr .5 C Reservé v. 12. 8. 1821. 15) Y. A. Nr. 14, Weisung Metternichs v. 12. 10. 1821; Nr. 15, Weisung v. 16. 10. 1821. 16) Y. A. Nr. 10, Weisung Metternichs v. 8. 8. 1821. 17) Y. A. Nr. 17, Bericht an Metternich v. 4. 12. 1821; Nr. 27, Bericht an Metternich v. 3. 8. 1822.

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