Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BROUCEK, Peter: Alexander Ypsilantis Gefangenschaft in Österreich

552 Miszellen stand diesem Ansinnen ablehnend gegenüber, versprach aber einen Bericht an Metternich. Sein Verdacht, daß es sich bei diesem Vorschlag um ein rein russisches Anliegen handelte, wurde durch eine Unterre­dung mit dem Reis Effendi, dem türkischen Außenminister, bestätigt5). Metternich erteilte darauf Lützow die Weisung, bei nochmaliger Anfrage Stroganows die Ausstellung eines Passes unter dem Namen Demeter Paleogenides für die Route Hermannstadt—Temesvár—Hamburg zuzu­sichern. Der Staatskanzler hatte dabei, wie er in einem Schreiben an den Präsidenten des Hofkriegsrates, Feldmarschall Graf Bellegarde, andeutete, die Absicht, sich der Person dieses Revolutionärs zu ver­sichern 6). Am 28. Juni 1821 traf Alexander Ypsilantis mit seinen zwei Brüdern Nikola und Georg, drei Dienern und einem Dolmetscher am Roten-Turm- Paß ein und fand die österreichischen Behörden nicht unvorbereitet, da sie von Lützow informiert worden waren. Er hatte seine letzten Anhänger vorher entlassen, doch mußten zwei Divisionen österreichischer Truppen gegen sie Vorgehen, als sie auch die Grenze zu überschreiten suchten7). Unter großer Bedeckung wurde der Grieche ins Landes­innere nach Orlat und Temesvár gebracht. Auf Befehl Bellegardes sollte er dann zunächst in Arad unter dem Vorwand, man müsse neue Weisun­gen aus Wien erwarten, festgehalten werden. Diese Weisung, die Metter­nich am 6. 7. 1821 an Bellegarde gab, enthielt den Befehl, Ypsilantis mit seiner Begleitung nach Munkács zu bringen, wo er unter strengster Geheimhaltung als Staatsgefangener, nicht als Staatsverbrecher, fest­gehalten werden sollte. Der kommandierende General im Banat, Schneller, sollte ihm dies mitteilen, den Arrest als Ypsilantis' Zufluchtstätte hinstellen, ihm das Ehrenwort strengster Verschwiegenheit für ihn und seine Begleitung abverlangen und im Falle der Weigerung mit der Aus­lieferung an die Türkei drohen8). Die drei Brüder hätten den Namen der Barone Schönwarth anzunehmen und auch die Namen der Diener wären zu ändern. Alexander Ypsilatis gab alle gewünschten Garantien und so konnte die Reise unter Anwendung strengster Geheimhaltungs­5) Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Stbaatenabteilung Türkei, Bericht (künftig: B. a. T.) Nr. 87 D v. 2. 5. 1821. 6) Kriogstarchiv, Sonderreihe des Hofkriegsrates, Aktenfaszikel über Fürst Alexander Ypsilantis (künftig: Y. A.) Nr. 1, v. 3. 6. 1821. Die dies­bezügliche Weisung an Lützow ist nicht erhalten, der Sachverhalt geht aber aus dem genannten Schreiben klar hervor. Roth, a. a. O., S. 130, der die Paßauisstellung strikte in Abrede stellte, ist hier infolge der Nicht­heranziehung der Akten ihr Kriegsarchiv ein Irrtum unterlaufen. 7) Y. A. Nr. 2, Bericht an Bellegarde v. 28. 6. 1821. Alle Akten der Mili­tärverwaltung mit Bezug auf Ypsilantis gingen über das Präsidium des Hof­kriegsrates, wurden aber aus Geheimhaltungsgründen sogleich gesondert in ein Protokoll eingetragen und abgelegt. Das Protokoll bricht jedoch Ende 1823 ab. 8) Y. A. Nr. 3, Weisung vom 6. 7. 1821.

Next

/
Oldalképek
Tartalom