Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BROUCEK, Peter: Alexander Ypsilantis Gefangenschaft in Österreich

Miszellen 551 Rußland gegen ihn scharf Stellung bezog und die Bevölkerung der von Ypsilantis' Truppen kontrollierten Gebiete infolge des ungeschickten Ver­haltens des Prinzen ihn nur wenig unterstützte, hing es nur mehr von der türkischen Regierung selbst ab, wann sie genügend Truppen bereit­stellen konnte, um Alexander Ypsilantis mit seinem geringen Anhang im Donaubecken einzukreisen und seine Mannschaften aufzureiben. Die ablehnende Haltung des Zaren Alexander I. gegenüber seinem Adjutanten und Vertrauten und der von ihm in ihren Vorbereitungen gebilligten griechischen Freiheitsbewegung wurde in erster Linie durch Metternich herbeiigeführt. Am Kongreß von Laibach gelang es diesem unter Hinweis auf Aufrufe Ypsilantis', in welchen er die Revolutionen in Spanien und Sizilien als „verwandte Regungen“ bezeichnet hatte, auf das Aufflackern von Revolten in Rußland selbst und auf prinzipielle Erwägungen über die Revolutionsgefahr, bei Alexander die Absendung eines Schreibens an den griechischen Fürsten zu erlangen, in welchem er ihn aus der Armee ausstieß und ihm die Rückkehr nach Rußland ver­bot3). Damit war Österreich die einzige Macht geworden, bei der Ypsi­lantis Zuflucht suchen konnte, falls es ihm nicht gelingen sollte, nach Griechenland durchzubrechen oder sich in der Donauebene zu halten. An eine Flucht nach Österreich muß auch Alexander Ypsilantis selbst gedacht haben, als seine Bitte um Intervention an den russischen Ge­sandten in Konstantinopel, Stroganow, erfolglos blieb, die Türken am 29. 5. 1821 in Bukarest einzogen und sich das kühle Verhältnis zum ru­mänischen Freiheitskämpfer Theodor Vladimiresku und seinen Scharen bald in offene Feindschaft wandelte. Ypsilantis mußte sich in das oltenische Bergland zurückziehen und hielt seit 20. 4. 1821 den Ausgang zum Roten-Turm-Paß und dem Grenzort Cainesti besetzt4). Trotz der zunächst scharfen Ablehnung dieser revolutionären Bewe­gung durch Österreich und Rußland, die sich unter anderem in Kommu- niqués der Wiener Zeitung und Weisungen Metternichs an seinen Inter­nuntius an der Hohen Pforte ausdrückte, nahmen die Vertreter dieser beiden Länder bald miteinander Fühlung über das weitere Schicksal Alexander Ypsilantis' auf. Stroganow verbarg in einer Unterredung mit dem österreichischen Internuntius Lützow die Wünsche seiner russischen Auftraggeber hinter der Behauptung, daß Österreich der Pforte durch die Ausfolgung eines Passes an Ypsilantis und Erteilung einer Durch­reisegenehmigung einen großen Dienst erweisen könne, da die Gefahr, daß Alexander Ypsilantis Führer des Aufstandes in Morea werde, immer noch bestehe. Dem Fürsten sollte Gelegenheit zur Reise nach irgend­einem Hafen und Auswanderung nach Amerika gegeben werden. Lützow * *) s) Anton Prokeseh-Ositen, Geschichte des Abfalls der Griechen vom türkischen Reich im Jahre 1821 und der Gründung des hellenistischen Königreiches, Wien 1867, 3. Bd. S. 65 ff. *) Roth, a. a. O., S. 72 ff.

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