Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

548 Miszellen Sardan kehrte von seiner Österreichreise nach Holland zurück. In Amsterdam soll er das behagliche Leben eines wohlhabenden Bürgers geführt haben. Aber die Freude am Intrigenspiel ließ ihn nicht mehr los und er soll der Mittelpunkt von Konspirationen emigrierter Franzosen gegen Ludwig XIV. gewesen sein. Der französische Gesandte im Haag Graf d’Avaux verlangte vom Bürgermeister von Amsterdam die Aus­lieferung Sardans als Untertan des Königs, doch van Beuningen lehnte mit der Bergründung ab, daß Sardan seit Jahren Bürger seiner Stadt sei. Daher wollte man Sardan mit Wissen des Königs heimlich nach Frankreich entführen. Aus der Garnison von Ypern, das seit drei Jahren französisch war, wurden im November 1681 ein Leutnant und zehn Dra­goner ausgewählt, in einer Fregatte in die Nähe der holländischen Küste geführt und in einer Schaluppe ans Land gesetzt. Sie gelangten nach Amsterdam, aber durch die Desertion eines Soldaten, der Sardan warnte, wurde der Plan offenbar. Das Trüpplein warf die Waffen weg und machte sich auf die Suche nach der Schaluppe, um auf die Fregatte zurückzu­kehren, aber wegen stürmischen Wetters war die „sehuit“ nach dem Texel gefahren, und die Leute zogen nach Rotterdam, von wo sie leichter zu entkommen hofften. Sie fielen trotz der Unkenntnis der Landessprache nicht auf, denn seit Jahren strömten Flüchtlinge aus Frankreich zu und die jungen Menschen konnten sich unangefochten als neuangeworbene Rekruten ausgeben. Aber die Polizei fand ihre Spur, holte sie frühmor­gens am 3. Dezember aus ihren Gasthausbetten und brachte sie nach dem Haag ins Gefängnis. Vergeblich bemühte sich der französische Gesandte um ihre Freilassung. Das Gericht verurteilte die Soldaten zu je zehn Jahren „rasphuis“ (Zuchthaus) und ihren Anführer La Garrigue zur Enthauptung. Am 15. Dezember wurde ihnen das Urteil im Gefängnishofe verlesen, wo eine mit schwarzem Tuch umkleidete Bühne für die Hin­richtung aufgestellt war; ein Sarg für den Todeskandidaten vervollstän­digte das unheimliche Bild. Schon hatte der Henker dem Leutnant die Augen verbunden, als allen Verurteilten die Begnadigung verkündigt wurde, die d’Avaux schließlich beim Prinzen von Oranien erwirkt hatte. Aber der arme La Garrigue war durch den ausgestandenen Schreck tief bewußtlos geworden. Der Henker, in dessen Brust zwei Seelen gewohnt haben müssen, wollte voll Mitleid den Leutnant, der beinahe sein Opfer geworden wäre, zur Ader lassen, um ihn zu beleben, aber einige Franzosen, die auf das Schaffot gestiegen waren, hielten ihn davon ab: „Un verre de bon vin ferait mieux son affaire“. Und statt Blut floß Wein, den der Henker kredenzte, und so endigte das makabre Ereignis in einer nicht weniger schaurigen Groteske des happy end 87). Über das weitere Leben Sardans berichtet nur van Sypesteijn* 68). Im Jahre 1703 soll Sardan, von seinen revolutionären Ideen nicht geheilt, *7) van Sypesteijn a. a. O., S. 145 ff. Madame Dunoyer, Lettres historiques et galantes. Amsterdam 1760, 11/121, Archives diplomatiques et de la documentation Paris, CP Hollande 128, fol. 214—216 verso und fol. 218; Mémoires et documents Hollande 41, fol. 183 verso — 184 verso. 68) van Sypesteijn a. a. 0., S. 149.

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