Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

Miszellen 547 dessen Titul ist/Von wem und durch wen Der Key,ser und das Reich ver- rathen. Von einem Liebhaber des Reichs Wolfahrt aufgesetzet/Und An einen vornehmen Minister eines Hoch Fürstl. Teutschen Hofs überschickt“. Der Autor geht davon aus, daß derartige Flugschriften von jedwedem und besonders vom gemeinen Manne gekauft und gedankenlos geglaubt werden; daher werde er sich bemühen, Sardans Ausführungen zu prüfen und zu beweisen, daß dieser ohne Verstand und Nachdenken gewesen sein müsse, daß er sich nicht gescheut habe, durch sie dem ganzen Europa einen Schandfleck anzuhängen. Sardan habe in seiner Vorrede angegeben, daß ein großer Reiehsfürst einen seiner Diener, dessen Geschicklichkeit er am meisten zutraute, nach Prag geschickt habe, um dort den Ursprung des wunderlichen Verfahrens des kaiserlichen Rats zu ergründen; dieser Minister wäre durch seine Klugheit hinter die allerinnersten Heimlich­keiten dieser Intrige gekommen. Weil nun Sardan unter diesem Minister, dem er so übermäßige Geschicklichkeit beilegt, niemand andern als sich selbst versteht, werde sich aus der Prüfung des Büchleins ergeben, ob er von so trefflichen Meriten sei, wie er sich einbildete. Sardan messe wohl dem Kaiser rühmliche Eigenschaften zu, speie aber danach Gift und Galle gegen ihn laus, indem er ihn als einen Fürsten hinstelle, der zu nichts zu gebrauchen sei und von seinen Angelegen­heiten nicht mehr wisse, als seinen Ministern ihm zu offenbaren beliebe. Er werfe dem Kaiser vor, daß er dem schimpflichen Nymweger Frieden zugestimmt habe, statt, wie Sardan versteckterweise zu verstehen gebe, zur Armee zu gehen, um seine siegreichen Waffen bis ins Innere Frank­reichs zu führen und auch die Aufständischen mit Geld zu unterstützen. Wir sehen, daß der Autor gut über Sardan unterrichete war, und be­dauern, daß er nicht mehr über ihn erzählt. Im folgenden widerlegt er die einzelnen Behauptungen Sardans. Im besondern sagt er bezüglich dessen Kritik an der Abtretung Burgunds, es wäre unsinnig gewesen, den Krieg fortzusetzen und den Friedensschluß, nach dem ganz Europa seufzte, zu verzögern, umsomehr als der rechtmäßige Besitzer die Graf­schaft freiwillig an Frankreich überlassen habe. Überhaupt verfolge Sardan keinen andern Zweck als den, die Welt gegen Frankreich zu er­regen und dadurch den Trieb seiner verblendeten Leidenschaften zu sättigen. Seine Beschuldigungen der Untreue und Verräterei, mit denen fast alle Blätter seines Büchleins die kaiserlichen Räte belege, seien nichts anderes als wunderliche Einfälle, doch erreiche seine Unverschämtheit den Höhepunkt, wenn er sich untersteht, von der geheiligten Person des Kaisers so verächtlich zu reden. Der Autor widerspricht Sardans Be­hauptung, daß der Kaiser von seinen Räten auf Betreiben der Jesuiten verraten werde und daß er der Wahl des Dauphins bei Ausschließung des eigenen Sohnes zustimmen werde. Sardan unterstehe sich, uns seine leeren Träume als untrügliche Wahrheiten darzubieten. Am meisten wundert sich der Polemiker, daß ein Fremder, der das Reich nur ober­flächlich kenne, sich unterstanden habe, den Reichsständen Gesetze vor­zuschreiben und sie beraten zu wollen. — Auch diese Schrift erlebte eine zweite Auflage. 35*

Next

/
Oldalképek
Tartalom