Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

546 Miszellen Aber wenn sich Sardan noch die leiseste Hoffnung auf eine Verwirk­lichung seiner Illusionen gemacht hätte, mußte sie zusammenbrechen, als Spanien am 18. September 1678 im Frieden von Nymwegen die Franche-Comté an Frankreich abtrat. Damit wurde klar, daß aus jener Seite den Unzufriedenen in Südfrankreich niemals die erträumte mili­tärische Hilfe herangebracht werden könnte. Seiner Wut darüber gab Siardan in einer im Jahre 1680 gleichfalls in Köln veröffentlichten Bro­schüre Ausdruck. In „L’Empereur et l’Empire trahis et par qui et com­ment“ stellt er Leopold I. unverblümt als Schwachkopf hin. Nach seiner Behauptung war er ein frommer und gütiger Fürst; aber er habe die Staatsgeschäfte gänzlich seinen Ministern überlassen und von seiner Würde nur Rang, Glanz und Namen behalten. Wenn er sich der Staats­geschäfte im geringsten angenommen hätte, wäre nicht der schmach­volle und entehrende Friede von Nymwegen zustande gekommen. Damit habe er Achtung und Vertrauen der mit ihm befreundeten und verbün­deten Fürsten verloren; seine Truppen wären schimpflich gezwungen, ohne Schwertstreich Länder des Reichs zu räumen, während französische Truppen noch im Reiche seien und Städte und Länder kahlfressen; die Gebiete der drei geistlichen Kurfürsten und des Pfalzgrafen bei Rhein seien den Einbrüchen französischer Heere preisgegeben und wären bei der Wahl des Römischen Königs Sklaven der französischen Krone. Der Kaiser habe mit dem Friedensschluß stillschweigend die Abtretung Burgunds durch Spanien unterzeichnet und habe Frankreich die Mög­lichkeit gegeben, dort eine Armee gegen Deutschland aufzustellen. Der Herzog von Lothringen sei seiner Fürstentümer entsetzt. Der Dauphin verlange von den beiden nördlichen Kurfürsten die Stimme bei der Wahl des Römischen Königs; über die anderen verfüge er ohnedies. Ludwig habe ferner die Reunionskammern in Metz und Breisach errichtet. Durch den unseligen Frieden würde, wenn Gott nicht helfe, Kaiser und Reich unter Frankreichs Hörigkeit fallen. Wer hat die Schuld, daß es soweit gekommen ist? fragt Sardan weiter. Die Mehrzahl der kaiserlichen Räte sei schwach oder bestochen und verräterisch. Hinter ihnen stünden der Papst und die Jesuiten, die die Conseils von Wien und Madrid einge­schläfert haben und die alles, was sie von den Räten erfahren, den fran­zösischen Ministern zutragen. Der Kurfürst von Brandenburg hätte den Kaiser aus seiner Lethargie geweckt, so daß er im Jahre 1672 Holland unterstützte. Der Kurfürst wollte mit Montecuccoli gegen Turenne vor­rücken, aber die Römisehgesinnten hätten den Befehl an Montecuccoli aufgefangen und eine gegenteilige Ordre mit falschem Siegel und ge­fälschter Unterschrift unterschoben. Der König von England habe den Nonkonformisten freie Religionsausübung gestattet; daher bemühe sich der römische Hof, den Untergang Englands zu fördern. Infolge des Treibens der Jesuiten würden alle kriegerischen Unternehmungen des Kaisers zu Prozessionen und Wallfahrten von Schande, Elend, Unord­nung und Wirrnis. Die gehässigen Ergüsse Sardans blieben nicht unwidersprochen. Noch im gleichen Jahre erschien eine Gegenschrift „Politisches Bedenken über Das Schreiben des also genanten Grafen Von Sardan oder Fonsenade,

Next

/
Oldalképek
Tartalom