Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan
Miszellen 543 Geistlichen zwei seiner ouvrages gesandt; in einem gab er sich für einen Engländer, im andern für einen polnischen nobilem aus. Der Frater schloß mit der Bitte um Weisungen, wie er sich verhalten solle63). Aber Sardan gab sich nicht geschlagen. Am 8. April 1678 bat er den Kapuziner, er möge dem Hofkanzler im Interesse des Kaisers schreiben, er (Sardan) sei kein Mann der Furcht, sondern ein Charakter, der in seinen Propositionen fest bleibe. Er würde keinen Schritt tun, solange man an seiner Ehrenhaftigkeit zweifle, aber sobald dies aufgeklärt sein würde, würde es ihm eine Ehre sein, den Frater zu sprechen. Er beschwöre diesen, dem Hofkanzler zu schreiben, was nötig seit, damit man auf Mittel sinne, um des Kaisers Hauptfeind zu demütigen. Er erwarte, daß der Frater sich als treuer kaiserlicher Diener verhalte, und lud ihn zu einer Aussprache ein64). Am 11. April sandte Sardan aus Mayenfeld dem Hofkanzler das vorhin langekündigte Schreiben, worin er vorschlug, der Kaiser möge sich den Verträgen mit Holland und Spanien anschließen. In seinem Ehrgeiz, Regent zu werden, kam er auf die Idee zurück, mit Hilfe des Hauses Österreich einen souveränen Staat in einem Winkel Frankreichs zu gründen. Als Urheber der Verleumdungen, die gegen ihn verbreitet würden, nannte er den französischen Gesandten in der Schweiz Herrn de Gravelle und bat um strenge Prüfung dieser malices noirs, die den Zweck hätten, zu verhindern, daß der Kaiser von Sardans Arbeiten Nutzen ziehen könne. Er sei der Verfasser der „Lettre polonaise“ und einer Abhandlung „L’Europe esclave si l’Angleterre ne rompt ses fers“ sowie einiger anderer Schriften, die durch Europa liefen. Schließlich bat er, ihn mit einem Stück Land samt Wohnhaus zu belehnen62). Ein Bericht ohne Datum des Kapuziners hat wohl hier seinen Platz. Sardan habe ihn, so schreibt der Frater nach Wien, durch Stafetten ersucht, in seinem Namen den Hofkanzler zu bitten, daß er bis auf weiteres auf kaiserliche Ordre in Feldkirch geduldet und wider alle Verleumdungen defendiert werden möge. Obwohl er (Franciscus Carolus) als auch Graf Casati ihn tausendmal lieber außer der Grenze wüßten, bitte er, daß man ihn mit der Angelegenheit verschone und eine habile Person schicke, um mit Sardan zu verhandeln, obwohl es noch besser wäre, diesen nach Wien oder sonst wohin kommen zu lassen 63). Die Eingaben Sardans machten Eindruck in Wien und das damalige Kriegsministerium, der Kay. Hoff Kriegs Rath, wurde um seine Meinung befragt. Dieser „intimierte“ am 26. April 1678, der Kaiser möge dem Ansuchen stattgeben65). Darauf schrieb Leopold I. aus Laxenburg am 9. Mai 1678 den oberösterreichischen geheimen und deputierten Räten in Innsbruck, er habe dem Conte de Sardan aus Holland die allergnädigste 6S) Ebendort, F. Franciscus Carolus, Kapuziner in Freiburg, an den Hofkanzler 1678. 64) Ebendort, Graf Sardan an den Kapuziner aus Freiburg F. Franciscus Carolus 1678. 65) Ebendort, Sardan betreffend 1678.