Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

542 Miszellen seine anderen Konfidenten geschrieben, damit sie anfingen. Der Freund hätte sich in Frankfurt mit ihm ausgesprochen. Nun sei es notwendig, auf den alten Vertrag zurückzukommen und er bat, der König möge dies­bezüglich einen Minister zu ihm senden. Er werde in einem der bedeu­tendsten Teile Frankreichs einen Brand entfachen, den die stärkste Kraft Ludwigs XIV. nicht werde löschen können. Karl II. möge den Geheim­vertrag ratifizieren und ihm 2000 livres senden, er würde Verstärkung durch den Kurfürsten von Brandenburg erhalten. Aber dies alles war nur ein Vorwand, um am Schlüsse den König um etwas Solides, das heißt um eine Anstellung und Bezahlung seiner Schulden, zu bitten 7). Eine Antwort erhielt er nicht, aber eine Überraschung von anderer Seite stellte sich ein: Am 26. Mai 1677 verlängerte Wilhelm III. im Heer­lager von Lokeren Sardans Vertrag unter der Bedingung, daß er während des damaligen Feldzuges ausgeführt werde, der dann mit dem Frieden von Nymwegen (10. August 1678) schloß. Wie es dazu kam, daß der Prinz wieder Vertrauen in Sardan setzte, ist nicht festzustellen61). Aber noch bevor der Krieg zu Ende war, wandte sich Sardan im Frühjahr 1678 neuerlich an den Wiener Hof. Die Dokumente im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv beginnen mit einem Mémoire ohne Datum. Damit sandte Sardan dem Hofkanzler die mit Holland und Spanien geschlossenen Verträge (sie sind dort nicht mehr vorhanden) und legte dar, daß er an ihrer Nichterfüllung schuld­los war. Zum Schlüsse stellte er eine weitere Depesche in Aussicht. Ein Brief fehlt wohl, denn nun folgt, nur in deutscher Übersetzung, ein Schreiben Sardans an den Hofkanzler vom 3. April 1678. Wir sehen daraus, daß Sardan nach Feldkirch gekommen war und einen Kapuziner­mönch bewogen hatte, seine Korrespondenz mit Wien zu vermitteln. In dem genannten Briefe schreibt Sardan, der Kapuziner habe ihm mitge­teilt, was der Hofkanzler in dieser Angelegenheit geantwortet habe. Sardan betrachte diese „Zeitung“ als eine absonderliche Gnade und sei zu ihrem gehorsamsten Vollzüge mit höchster Freude bereit, aber er habe die Originale nicht zurückerhalten und könne dem Aufträge erst nach deren Rücklangen entsprechen62). Aber Sardans unruhige Natur brachte ihn bald um das Vertraueu des arglosen geistlichen Freundes. Schon am 4. April teilte Frater Fnan- ciscus Carolus dem Hofkanzler mit, daß Sardans Tun und Lassen ihn verdächtig mache. Auch habe der Frater erkennen müssen, daß die ihm zur Religionsänderung gemachte Hoffnung nur eine Finte war, um sich bei ihm zu insinuieren. Er habe ihn über die Schweizer Grenze gebracht, in der Hoffnung, daß Graf Casati ihn beobachten würde, iaber dieser lehnte ab. Der Franziskaner habe dann Sardan durch allerlei beigebrachte Gründe nach Mayenfeld gebracht; von dort sei er ihm schriftlich über den Hals gekommen, obwohl der Frater mehrmals dagegen protestiert habe. Sardan habe trotzdem sein Verhalten nicht geändert und habe dem «i) Japikse a, a. O., S. 174. 62) Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, a. a. 0., Graf Sardan an den Hofkanzler 1678.

Next

/
Oldalképek
Tartalom