Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan
Miszellen 541 Land57). Der Staatsrat stellte am 25. März 1676 fest, daß die Verhandlungen Sardans wenig Fundament hätten, riet aber trotzdem, die Korrespondenz mit ihm fortzusetzen58). Am 26. Juli schrieb der Marquis von Villagarcia aus Genua an den König. Riomal hatte ihm geschrieben, daß Sardan seit Oktober 1675 in Deutschland wiar und nun den Prinzen von Oranien sprechen wollte. Man schickte ihm nach Frankfurt 150 Dublonen, die er behob, als er im April 1676 nach Antraigues reiste, wo er einen Monat blieb, ohne Nachricht zu geben. Erst als Riomal in Amsterdam war, schrieb Sardan an den Prinzen. Auf den Vorwurf Riomals, seine Verpflichtungen nicht eingehalten zu haben, antwortete Sardan, daß der Mailänder Aufenthalt seines Vertrauensmannes, eines Arztes aus Frankreich, seine Pläne verzögert habe, weil dieser es wäre, der die Operationen in Gang bringen sollte, was Riomal als frivole Ausrede bezeichnete. Schließlich kam man überein, daß Sardan wegen des Arztes an den Gouverneur von Mailand Prinzen von Ligne schreiben sollte. Der Arzt hatte in Frankreich einige Wunderkuren vollbracht und man hatte ihn „con este motivo“ nach Mailand kommen lassen. Als er auch dort eine glückliche Kur durchgeführt hatte, ging er nach Genua, um abzuwarten, bis Sardan ihm schreiben würde; aber dieser meldete sich nicht. Er hatte angegeben, der Arzt hätte versprochen, sich dreier Plätze am Rhönefluß zu bemächtigen; davon hinge das Gelingen des Aufstandes ab. Wenn Prinz de Ligne vom Arzte eine positive Antwort erhalten würde, sollte Sardan mit Wilhelm von Oranien sprechen. Am 22. Juli schrieb Ligne dem Riomal, der Arzt habe gesagt, alles sei richtig, aber erst müsse das Feuer an einer andern Stelle angezündet werden, sonst sei der Plan unausführbar; auch müßte man ihm Geld zur Aushebung von drei- bis viertausend Mann geben. Ferner verlangte der Arzt, daß Sardan zu weiteren Verhandlungen nach Italien komme. Aus allem schloß der Marquis, daß Sardan mit „artificio“ vorginge59). Nun verlor auch der Staatsrat die Geduld. In der Sitzung vom 4. September 1676 kam er zum Schlüsse, daß Sardan sich nur Geld verschaffen wollte; der Plan wäre unausführbar und weitere Ausgabe unnütz. Dies schrieb der König dem Marquis von Villagarcia iám 16. September und teilte es auch dem Prinzen von Ligne und dem Statthalter der spanischen Niederlande Herzog von Villahermosa mit60). Sardan hatte die Entschließung des spanischen Hofes nicht abgewartet und hatte sich um die Einbürgerung in Amsterdam bemüht, die ihm am 29. September 1676 gewährt wurde. Trotzdem wollte er noch immer den Schein wahren, daß er sein Projekt weiterverfolge. Am 5. Oktober 1676 schrieb er von Amsterdam an Don Pedro Coloma, daß sein Vertrauter, den die spanische Übersetzung des Briefes lals médico heróico bezeichnet, ihm mitgeteilt habe, was wir schon wissen, nämlich, daß die Erhebung an einem andern Ort beginnen müßte. Sardan hätte darauf an 57) Archivo general Simancas, Sección Estado, Legajos 3861. ®8) Sección Estado, Legajos K 1663 D 23, No. 174. 59) Siehe Anm. 58, No. 186 und Legajos 3388, No. 199. 60) Ebendort, No. 187 und 189.