Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

538 Miszellen dort angekommen war. Dieser erhielt von ihm 80 und vom Grafen Casati 30 Dublonen53). Aus Frankfurt schrieb Sardan am 14. Dezember dem Marquis, die Ereignisse in der Bretagne und in Sizilien hätten seine Bemühungen zunichte gemacht, aber die Verdrängung der Schweden aus Deutschland sei so weit vorgeschritten und Frankreich sei so erschöpft, daß eine In­vasion leicht möglich sein würde. Sardan habe von drei Fürsten Truppen verlangt, um sich mit jenen Montecuccolis zu vereinigen; mit Gottes Hilfe werde die kaiserliche Armee beim nächsten Feldzuge in Burgund eindringen 54). Anfangs Jänner 1676 bestieg Carlos II. den Thron Spaniens. Am 26. Jänner sandte ihm Villagarcia einen Brief Sardans vom 14. Dezember 1675, worin nichts von Belang enthalten war, und die Antwort des Mar­quis darauf, der Sardan die schlechte Planung und die Ergebnislosigkeit seiner Verhandlungen mit den Mitverschworenen in Frankreich vorhielt. Trotz allem empfahl der Staatsrat am 28. Jänner 1676 weiteres Zu­warten 55). Wir haben gesehen, daß Sardan sich keiner Täuschung über den Bankrott seiner Pläne hingab. Dies dürfte die Ursache gewesen sein, daß er sich im Februar 1676 mit dem eingangs zitierten Briefe an Kaiser Leopold I. wandte. Wohl tat er, als wollte er diesen für eine Unterstützung der Aufständischen in Südfrankreich gewinnen, aber sein wirkliches Ziel war zweifellos, sich eine Anstellung oder allenfalls Haus und Hof zu erbitten. Seit dem Verlassen Frankreichs, schreibt Sardan in einem ,Avertis­sement“, habe ihn so großes Unglück getroffen, daß seine Angelegenheit nicht mehr so gut stehe wie anfangs. Er hätte an der Pyrenäengrenze einen beträchtlichen Aufstand herbeigeführt, der aber scheiterte, weil Hilfe ausgeblieben war, und als er die Sache neuerlich in Gang gebracht hatte, war er gezwungen worden, das Grenzgebiet zu verlassen. Trotzdem könnte er, wenn sein Werk vom Kaiser und seinen Verbündeten unter­stützt werden würde, mit Gottes Hilfe versprechen, dem kaiserlichen Hause einen großen Dienst zu leisten. Der Kaiser möge mit ihm einen Vertrag schließen, und es werde nicht schwer sein, die verbündeten Fürsten zum Beitritt zu bewegen. Wenn die Provinzen, die einst das Arelat gebildet haben, die gleichen politischen und religiösen Eechte wie im Reich haben würden, könnten alle Kräfte Frankreichs das Gelingen des Vorhabens nicht verhindern. Dann würde Frankreich die Wiedereinsetzung des Herzogs von Lothringen und die Eroberung der seit dem Pyrenäenfrieden in Spanien und den Niederlanden besetzten Plätze hinnehmen müssen. Sardan vertraue so fest auf das Gelingen, daß er, sobald die Hilfe in Burgund eingedrungen sein würde, ohne Deutschland zu verlassen, 10.000 kriegsgewohnte Mann dazu bringen würde, von der Seite von Lyon die Hörner zu erheben, und wenn Holland, wie er hoffe, in Frank­reich gelandet sein würde, würde die Angelegenheit ein neues Gesicht M) Ebendort No. 169, 171, 173, 175, und 177. 54) Ebendort No. 178. 55) Ebendort No. 183 und 184.

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