Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan
Miszellen 539 bekommen. Dafür wäre es notwendig, daß der Kaiser einige Fürsten dazu brächte, ihre Truppen gegen Schweden zu verstärken, um diese aus Deutschland zu verdrängen. Dann müßte der Kaiser Sardans Verträge mit Spanien und Holland um ein Jahr verlängern lassen. Die holländische Kriegsmarine, die zur Zeit unter (Admiral Ruyter im Mittelmeer war, könnte auf der Rückfahrt von Sizilien das Unternehmen unterstützen. Ferner müßte die Kaiserliche Armee im nächsten Feldzuge der Konföderation die Hilfe an Kavallerie heranführen, die sich mit den Füsilieren Sardans vereinigen würde. Ferner müßte das Heer des Königs von Dänemark und der verbündeten Fürsten über Trier Lothringen anfallen und in die Champagne eindringen. Dies würde eine so große Diversion verursachen, daß Frankreich den Untertanen die Freiheit wiedergeben und mit den Nachbarn einen dauerhaften Frieden schließen müßte. Sardan bat den Kaiser einem „annexe inséparable“ Aufmerksamkeit zu widmen, der sich mit Sardans Person, seinen guten Absichten, seinen Reisen und seinen Beziehungen zu Don Juan und Montecuccoli beschäftigt. Er habe durch drei Jahre im Innern und 18 Monate außerhalb Frankreichs gearbeitet und dabei sein Vermögen aufgezehrt. Er würde nach Frankreich nicht zurückkehren außer bei einem Wechsel der Regierung und möchte, wenn seine Pläne scheitern sollten, sich dauernd in Deutschland niederlassen. Er bitte den Kaiser um den Ersatz seiner Reisekosten bis zum Zeitpunkte, wo die Angelegenheit glückte oder auf- gegeben werden müßte; ferner bitte er um eine Anstellung, wofür er die oben erwähnte „commission“ seiner letzten Verwendung in Frankreich beilegte. Schließlich bitte er um ein Stück Land mit einem kleinen Haus, wo immer es im Reiche wäre. Nachdem er Gott gebeten habe, die Regierung des Kaisers immer mehr zu segnen, erwarte er die Ehre seiner Befehle. Ein Mémoire Sardans56) behandelt die Wirren, die damals Europa bewegten. Einige Flugschriften der letzten Jahre, so führt er aus, legten dar, daß die treuen Diener des Hauses Österreich nicht ohne Grund beunruhigt seien durch die politischen Traktate Frankreichs, die unter verschiedenen Titeln die Einbrüche in Spanien in den Jahren 1667 und 68, sowie jene seit 1672 in Holland, Spanien und das Reich zu rechtfertigen suchten. Diese Autoren hätten darzulegen versucht, daß Frankreich durch seine geheimen Umtriebe und seine militärischen Erfolge Europa in Fesseln legen und den König von Frankreich zum unumschränkten Schiedsrichter aller Potentaten der Christenheit machen könnte. Siardan wolle die Heilmittel aufzeigen, um die Ruhe in Europa wieder herzustellen. In einem „Extráit du cahier de mes remarques“ untersucht er, wie Frankreich zu seiner Macht aufgestiegen ist. Er beginnt mit einem Loblied auf Richelieu. Durch dessen Bezwingung von La Rochelle wurde der englische König unter dem Einflüsse seiner Gattin Henriette von Bourbon katholisch; Frankreich konnte Schweden gewinnen, das den Fuß ins Kaiserreich setzte. Auch habe der westfälische Friede dem Kaiser Schaden gebracht. Spanien, das seine Gesetze bis über die Säulen des 56) Siehe Anmerkung 1, Beilage A