Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

Miszellen 537 Pyrenäen bis zur Garonne hätte. Auf der Reise von Lindau zum kaiser­lichen Heer wäre er an Dysenterie erkrankt; nun sei er gesund und könne wieder schreiben. Auch bat er um Geld, diesmal um unbedeutende Beträge. Am 24. August sandte der Marquis drei weitere Briefe Sardans. In einem schrieb dieser, daß die Trunkenheit eines Bretonén seine dortige Unter­nehmung vereitelt habe und daß man nun einen anderen Weg beschreiten müsse. Auch dieser Brief schließt mit einer Bitte um Geld, worauf ihm der Marquis 50 Dublonen schickte51). Am gleichen Tage ließ Don Juan durch Patino einen sehr ernsten Brief an Sardan schreiben. Nach langer und peinvoller Spannung, in der Sardan Spanien gehalten habe, hatte man gehofft, daß er im Vivarais an der Spitze von 20 bis 30.000 Mann stehen würde. Statt dessen habe man gesehen, daß er drei Monate krank war. Der Prinz habe dies doppelt bedauert, weil dadurch günstige Zeit verloren gegangen sei. Noch mehr als das lange Schweigen hätte ihn überrascht, daß Sardan aus Frankfurt geschrieben hat, denn Don Juan könne sich nicht vorstellen, daß es Sar­dan unmöglich gewesen wäre, nach Frankreich in die Gegend zu gehen, die sie besprochen hatten, und wundere sich, daß Sardan sich so weit vom Zentrum seiner Verbündeten und seiner Pläne entfernt habe. Ebensowenig sei er überzeugt, daß der Beginn des Aufstandes in der Bretagne Sardan gezwungen habe, in die nördlichen Provinzen zu gehen, denn von keiner andern Seite und mit keiner andern Hilfe hätte er das Feuer anzünden können. Auch glaube Don Juan nicht, daß die Erhebung in der Bretagne auf Sardans Einwirkung erfolgt wäre. Der Prinz mache aufmerksam, es sei notwendig, etwas Beachtliches auszuführen. Er wisse auch, daß Riomal, müde, auf Sardans Nachrichten zu warten, von Genua abgereist war. Audijois sei mit einer guten Zahl von Mannschaft in Frankreich eingedrungen, aber da seine Unternehmung auf Sardans Schritte abge­stimmt war, habe er sich zur Enttäuschung seiner Freunde zurückziehen müssen, und wenn er nochmals Vorgehen würde, zweifle der Prinz nicht, daß die Sache ebenso schlecht ausgehen würde, wenn Sardan ihn nicht unterstützen würde. In einem Schreiben an die Königin vom 27. August 1675 drückte Don Juan sein Befremden aus, daß Sardan einen andern Weg eingeschlagen und sich als Resident in Frankfurt angeboten habe52). In den Sitzungen vom 10. und 18. September und 1. Oktober beschloß der Statsrat, die Korrespondenz mit Sardan weiterzuführen. Am 17. No­vember berichtete der Marquis, daß Sardan weiter schwieg und man nicht wisse, wo er sich auf halte. Daraus werde die Insubsistenz seiner Ver­handlungen immer deutlicher. Am 1. Dezember meldete er, daß Sardan am 22. Oktober geschrieben habe. Er bat den Marquis, seinem Verbün­deten, einem Arzt aus Frankreich, zu helfen, der sich zum Grafen Casati in die Schweiz und von dort nach einem Orte in Tirol begeben wolle, wo Sardan mit ihm Zusammentreffen werde. Sardan halte die Angelegenheit nicht für verloren, selbst wenn Holland sich zurückzöge, weil andere nicht fehlen würden. Der Marquis hatte Nachricht aus Mailand, daß der Arzt 61 61) Ebendort No. 164—167. 62) Ebendort No. 163.

Next

/
Oldalképek
Tartalom