Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

532 Miszellen Marqués de Castel Rodrigo vor, daß mehr als 30.000 Aufständische unter Waffen wären29). Sardan behauptete in seiner Eingabe an den Wiener Hof, Audijois hätte im Lavedantale, das sich südlich von Lourdes gegen Luz erstreckt, eine „commotion“ erweckt, die bis 15 Meilen Wegs begriffen war und sich bis Bordeaux und Bayonne hätte ausdehnen können, umsomehr als die holländische Flotte noch auf dem Meere war; aber der Bote, den er um Sukkurs nach Madrid gesandt hatte, wurde in Zaragoza über 25 Tage aufgehalten und dadurch verzögerten sich die Beratungen am Hofe, so daß die Aufständischen ohne Beistand blieben30). Audijois kam nicht weiter und vertröstete Sardan in einem Briefe vom 8. Dezember, daß die Dinge -sich nicht so schnell ausführen ließen, wie man meine16). Drei Tage vorher hatte Riomal sich beklagt, daß er von Sardan seit sechs oder sieben Monaten kein Lebenszeichen erhalten habe 31). Don Juan de Austria, der uneheliche Sohn Philipps IV., der seit dem 4. Juni 1669 Vizekönig von Aragon mit dem Sitze in Zaragoza war, tritt in der Angelegenheit immer mehr in den Vordergrund. Der Winter war gekommen und Don Juan ließ Sardan kommen, weil das Unternehmen nicht voranschritt. In ihm war der Verdacht aufgestiegen, Sardan wäre ein Erzschelm (un muy ladino embustero). Am 9. Dezember stellte er an Sardan mehrere Fragen. Über den Operationsplan gab Sardan folgendes an: Zuerst sollte Castel Trompette, das Bordeaux beherrschte, besetzt werden; dies würde leicht sein, da dort ein Adeliger von höchstem Geblüt wäre, der auf der Seite der Verbündeten stünde und nur auf ein Wort Sardans warte, um loszuschlagen. Dann würde eine Erhebung im Vivarais folgen und in einer Nacht würden Privas, Castel Tournon, Le Pouzin, Pont St. Esprit und womöglich auch Valence überraschend angegriffen werden. Die ersten dieser Plätze wären leicht zu nehmen, weil sie keine Garnison hätten, und in Valence stünde nur eine Kompanie Infanterie. Damit besäße man die absolute Herrschaft über die Rhöneübergänge und könnte in Languedoc eindringen. Die Verbündeten wären auch sicher, daß sich die Städte Anduse, Ganges. Meyruis, Marvejols, Florae, Génolhac, St. Ambroix und andere Orte in den Sevennen dem Aufstande anschließen würden. Nötig wäre nur eine Zusammenkunft mit zwei Edelleuten in Toulouse und Bareges; falls Audijois sie nicht sehen könnte, müßte zu diesem Zwecke eine verschwiegene Person mit den notwendigen Instruk­tionen nach Frankreich gehen. Auf die Frage, warum man so lange mit der Erhebung gewartet habe, gab Sardan als Ursachen seine Reisen nach England, Holland und Madrid an, hauptsächlich aber die Verhaftung Marions, der in Angouléme und Périgord Besitzungen und großen Einfluß habe. Bemerkenswerterweise gab Sardan an, daß Rohan nicht im Geheim­nis der Konföderation gewesen sei. Es gelang Sardan, mit seinen Erklä­rungen den Argwohn Don Juans zu beschwichtigen. Wie ernst man in Spanien das Projekt Sardans nahm, zeigt sich darin, daß auf seinen Wunsch sein Freund de Rifard, der ihn nach Spanien begleitet hatte, 29) Krämer a. a. O., Seite 69. so) Seine Anmerkung 1, Beilage E. 3i) Krämer a. a. O., S. 70.

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