Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

CSÁKY, Móric: Österreich und der Modernismus. Nach den Berichten des österreichischen Botschafters am Vatikan 1910/11

336 Móric Csáky So glaubt Szécsen daher folgende Entwicklung festhalten zu können: 1. In „Sacrorum antistitum“ verpflichtet der Papst alle Geistlichen, den Antimodernisteneid jabzulegen. 2. Durch Intervention Kardinal Fischers werden die deutschen Universitätsprofessoren davon ausge­nommen. 3. Später brandmarkt der Papst demselben Kardinal gegenüber die Eidverweigerer. 4. Schließlich erklärt der Staatssekretär, er finde nichts Tadelnswertes an jenen, die den Eid verweigern. Die so skizzierte Entwicklung scheint tatsächlich widerspruchsvoll und das Fazit, das Szécsen aus der ganzen .Affäre zieht, ist berechtigt: „Daß die Autorität des Papstes durch die Veröffentlichung solcher sich widersprechender und jedenfalls sehr unklaren Verordnungen und Interpretationen nicht gewinnen kann, ist unzweifelhaft“ 45 46). Das Motu proprio „Sacrorum antistitum“ erfuhr also für Deutschland (besonders was den Antimodernisteneid anlangt) eine viel mildere Aus­legung als für die anderen Länder, was nur dem energischen Ein­schreiten deutscher Kirchenfürsten (Frühwirth, Fischer, Kopp) zu ver­danken war48), die auf jede mögliche Weise einen neuerlichen Konflikt mit dem Staat vermeiden wollten. In Österreich aber erhielt auch der Antimodernisteneid auf Grund einer strengeren Interpretation des Motu proprio durch die österreichische Bischofskonferenz vom November 1910 seine volle Gültigkeit, und so scheinen alle, auch an staatlichen Universitäten angestellten Theologieprofessoren, zur Ablegung des Eides angehalten worden zu sein47). 45) Szécsen an Aehrenthal vom 20. Febr. 1911. 46) Szécsen führt am 7. Nov. 1910 aus: „Eine diplomatische Intervention hat in der Sache nicht stattgefunden, doch ist Herr v. Mühlberg über den Erfolg Cardinal Fischer’s sehr erfreut“. 47) „Zu den ersten, welche trotz staatlicher Anstellung dem Wunsche des Papstes entsprachen, gehörten die Professoren der theologischen Fakultät zu Wien, die mit Ausnahme des Hofrates und Professors Dr. v. Scherer den Eid leisteten“. In: Theol. Prakt. Quartalsohr. 64 (1911) S. 447.

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