Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BLAAS, Richard: Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels

Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels 217 Privatinitiative der Fabrikanten für dieses Unternehmen zu mobilisieren. Von einer staatlichen Beteiligung, wie sie Metternich vorschwebte, der aus dem Gewinn dieses ersten Handelsversuches einen Teil oder die Gesamt­kosten der Expedition hereinzubringen hoffte, riet der Finanzminister ab, ,.allein für Private könnte dies eine schickliche Gelegenheit zu Unterneh­mungen abgeben, diese könnten entweder verhältnismäßige Ladungen auf ihre Gefahr mit den ärarischen Fahrzeugen versenden oder mit eigenen Kauffahrteischiffen unter dem Schutze unserer Fregatten die Versendung einer Partie Waaren unternehmen“ 21). Die Organisierung dieses ersten Handelsversuches oblag im wesent­lichen der Kommerzhofkommission, die eben erst 1816 geschaffen worden war, „die Verhältnisse des Handels und der Industrie in ihren Beziehungen gegeneinander und gegen fremde Staaten zu erforschen, um sich eine klare, volständige Kenntnis und Übersicht zu verschaffen“ und die Grundsätze des in der ganzen Monarchie zu befolgenden Handelssystems auszuarbei­ten22). Der Präsident der Kommerzhofkommission, Ritter v. Stahl23), mußte die Vorbereitungsarbeiten für die Handelsexpedition nach Brasilien unter argem Zeitdruck beginnen, da die Staatskanzlei als voraussichtlichen Abfahrtstermin das Jahresende 1816 angegeben hatte24). In den von der Bekanntgabe der kaiserlichen Entschließung bis zum voraussichtlichen Ab­fahrtstermin verbleibenden acht Wochen konnte unter den damals herr­schenden Verkehrs- und Kommunikationsbedingungen nicht mehr allzuviel ausgerichtet werden. „Ich denke mir“, versicherte Stahl, „diesen Zweck nur dadurch erreichbar, daß einige patriotisch gesinnte, auf keinen übermä­ßigen Gewinn rechnende Handelsleute in Triest, wo man die Bedürfnisse Brasiliens am besten kennt, unter der Aufsicht eines von ihnen zu wählen­den Kommissionärs nicht nur Muster sondern auch größere Partien von dort beliebten und gesuchten österreichischen Fabrikaten mit der erwähn­21) HKA., Kom.-Präs. rote Nr. 1243, ZI. 74, Gutachten des Finanzministe­riums ddo. 3. Nov. 1816. 22) Fr. Walter, Die österreichische Zentralverwaltung II. Abtl. 1. Band, 2. Halbband, Teil 2: Die Zeit Franz’ II. (I.) und Ferdinands I. (1792—1848), S. 257 f. und derselbe in Inventar des Wiener Hofkammerarchivs, Publikationen des österr. Staatsarchivs, II. Inventare, Wien 1951, S. 87 f. 23) Vgl. H. Rumpler, Philipp Ritter von Stahl, Der Werdegang des Bruch- saler Baumeistersohnes vom Speyrer Kanonikus zum österreichischen Hofkanzler 1760—1831 in MÖSTA, 8, 79 ff. 24) St.K. Dipl. Korr., Brasilien, Fasz. 1, Konv. Handel 1816, Note der St.K. an Präsidenten der Kommerzhofkommission (abgekürzt = KHK) vom 11. Novem­ber 1816. „Eine löbliche Kommission dürfte, da die Abreise der k. k. Botschaft bereits auf das Ende des Monats Dezember festgesetzt ist, wegen Dringlichkeit der Umstände sich bewogen finden, dieserwegen ungesäumt mit den betreffenden Behörden die nötige Rücksprache zu pflegen und zu Gewinnung der Zeit sowohl die Schiffsunternehmer in Triest als auch den Handelsstand und die vorzüglich­sten Fabrikinhaber unmittelbar von den getroffenen Einleitungen zu verstän­digen, damit jene, welche auf ein oder die andere Weise an dieser Unternehmung Theil zu nehmen Lust hätten, sich dazu ohne Zeitverlust vorzubereiten im Stande sein mögen“.

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