Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BLAAS, Richard: Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels

218 Richard Blaas ten Schiffsgelegenheit dahin senden und eine angemessene Rückfracht besorgen lassen“ 25). Eine Musterkollektion österreichischer Waren für eine Mustermesse in Rio de Janeiro zusammen zu stellen, wie es die Staats­kanzlei gewünscht hätte, dafür war die Vorbereitungszeit entschieden zu knapp und die Kommerzhofkommission bemühte sich, indem sie die Landes- gubernien in Mailand, Venedig und Triest, die Schiffsunternehmer, den Handelsstand und die Fabriksbesitzer, ja selbst die im November 1816 gerade auf der Wiener Messe anwesenden Kauf- und Handelsleute zur Beteiligung an dem Handelsversuch nach Brasilien aufrief, eine möglichst breite Basis dieser ersten Handelsexpedition zu schaffen26). Jetzt mußte es sich erweisen, ob der österreichische Handel diese Chance richtig zu nutzen wußte und ob er die nötige Risikobereitschaft aufbringen würde, sich bei einem ausgesprochenen Experiment gehörig zu engagieren. Die Schwierigkeiten ließen nicht auf sich warten. Zunächst tappte man völlig im Dunkeln hinsichtlich der Markterfor­dernisse. Die Auskünfte, die der portugiesische Sonderbotschafter Marialva geben konnte, halfen nicht viel weiter und nur die Warenliste, die ein Wiener Handelsmann, der zwei Jahre in Brasilien zugebracht hatte, geben konnte, lieferte wenigstens einen Fingerzeig27). Aufschlußreicher und prä­ziser hinsichtlich der zu stellenden Bedingungen war die Antwort aus Triest, die bereits Ende November 1816 in Wien einlangte. Die Börsen­deputation hatte „die Idee dieses ersten Handelsversuches mit Vergnügen ergriffen“, aber für eine erfolgversprechende Durchführung mehrere Be­dingungen gestellt: es müsse feststehen, wieviel Laderaum den Handels­leuten auf der österreichischen Eskadre zur Verfügung stehen werde, ferner dürfe die Flotille nicht vor dem 12. Jänner 1817 in See stechen, weil vom September bis zu diesem Zeitpunkt im Jänner die Versicherungen wegen der Herbststürme 10% statt der sonst üblichen 5% der Versiche­rungsprämien einheben, und drittens müßte man wissen, wie lange die Schiffe der österreichischen Expedition in Rio de Janeiro vor Anker liegen 2B) HKA., Kom.-Präs., rote Nr. 1243, ZI. 74, Weisung an das Gubernium in Triest vom 7. November 1816. 26) „Trachte ich noch die gegenwärtige Messe in Wien zu benützen, um mit möglichster Zeitersparnis eine größere Auswahl von österreichischen Fabrikaten zu gewinnen“. St.K. Dipl. Korr., Brasilien, Fasz. 1, Handel, Note Stahls an Metternich ddo. 15. Nov. 1816. — „Gleichzeitig eröffne ich den Gouverneuren von Venedig und Mailand im Vertrauen die bevorstehende Abreise der k. k. Bot­schaft nach Brasilien mit dem Ersuchen, hievon die Handelsleute, welche diese Gelegenheit benützen wollen, in vertraulichem Wege zu verständigen und mir über den Erfolg und die Teilnahme zu berichten“. HKA., Kom.-Präs. rote Nr. 1243, ZI. 77, Stahl an Stadion ddo. 12. November und Stahl an Metternich eben­da ZI. 81. 27) Ebenda. „Zu diesem Zwecke habe ich durch einen Handelsmann, der zwei Jahre in Brasilien zubrachte, die beigeschlossene obschon noch unvollstän­dige Liste von österreichischen Fabrikaten, deren Absatz in Brasilien zu hoffen ist, erhalten.“ Die Warenliste umfaßte: Eisenwaren, Glaserzeugnisse, Textilien verschiedenster Art, Spiegel, Klaviere, Möbel, Papier, Heiligenbilder usw.

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