Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
BLAAS, Richard: Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels
Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels 215 Länderstellen schlossen sich auch die Staatskanzlei und die Kommerzhof- kommission an, so daß die Errichtung eines Generalkonsulates für Brasilien und Südamerika am 8. Juni 1816 die kaiserliche Bestätigung erhieltle). Die Frage nach den Kandidaten für diesen Posten warf aber erst die eigentlichen Probleme auf und brachte die Diskussion in Fluß. Man hatte bisher vom Brasilienhandel nur im Allgemeinen gesprochen, seine mögliche Bedeutung für Österreichs Wirtschaft hervorgehoben, aber als man jetzt daranging, einen konkreten Anfang zu machen, mußte man bald feststellen, daß eigentlich Niemand diesen wichtigen Markt genauer kannte. Eine genaue Marktforschung war aber die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Handel. Der Finanzminister, Graf Stadion, umriß die Situation sehr treffend mit seiner Feststellung: „die Produkte von Brasilien sind uns bekannt; das, was wir von dort aus in den Erbstaaten brauchen können, wissen wir sehr genau, was aber Brasilien von uns anständig ist, wissen wir nicht so bestimmt, weil wir die Grade der Kultur des dortigen Landes nicht genau kennen und uns auch unbekannt ist, mit welchen Waaren die übrigen handelnden Nationen die Märkte Brasiliens versehen“ * 17). Die von den Gubernien in Mailand, Venedig, Triest und Prag, also den Industrie- und Handelszonen der Monarchie, erstatteten Besetzungsvorschläge für den Posten eines Generalkonsuls für Südamerika 18) entsprachen nicht den Vorstellungen der Wiener Zentralstellen, die von jedem Anwärter auf ein solches Amt mehr als nur kaufmännische Fähigkeiten glaubten fordern zu müssen. „Leider“, meinte Graf Stadion, „haben wir keine gebildeten Handelsleute, wie man sie so häufig in Holland, England und Frankreich antrifft. Das Generalisieren, wie man nämlich ein ganzes Land in allen Handels- und staatswirtschaftlichen Beziehungen in einem höheren Gesichtspunkte umfassen müßte, verstehen sie nicht“ 19). Der Start zum Generalkonsulates in Rio de Janeiro ddo. 10. Mai 1816. In diesem umfangreichen Aktenstück werden die Gutachten des Gubemiums in Triest, der dortigen Börsendeputation und das Memoire des Triestiner Handelsmannes A. E. Perez sowie das Gesuch des Silva Hofmann eingehend behandelt. le) Ebenda. 17) Ebenda. Einige Bemerkungen in betreff der augenblicklichen Absendung eines Generalkonsuls nach Rio de Janeiro. 18) Ebenda. Zunächst hatte sich Perez um den Posten eines Gen.-Kons. für die Vereinigten Staaten von Nordamerika beworben, s. h. St.K. Notenwechsel, Noten an die ZOHK. Fasz. 27, Note vom 28. Nov. 1815. Für Südamerika hatte Perez in einer weiteren Denkschrift vom 7. Dez. 1815 einen gewissen Ignaz Wickerhauser in Vorschlag gebracht. Weiters lag das Ansuchen des Silva Hof- man aus Rio de Janeiro vor; vom Gubernium in Venedig war ein gewisser Acerbi und vom Gubernium in Prag der Kaufmann Wenzel Bergner aus Rumburg in Böhmen vorgeschlagen worden. 19) Ebenda. Bemerkungen des Grafen Stadion. „Ich glaube also, daß ein Versuch durch Absendung eines oder des anderen Kaufmanns nie ganz gelingen wird, außer der Botschafter supplirt das an Kenntnissen, was dem dahin abzusendenden Kaufmann daran mangelt, fehlt aber auch dem Botschafter diese staatswirtschaftliche Vorbildung, so wird man nach Jahr und Tag eben so wenig