Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 207 gezwungen, den E. H. Generaliss K. H. zu bitten, mir diese 10 Tage zur Herstellung bewilligen zu wollen. Er schickte mir denn sogleich seinen Flügeladjutanten Baron Leuven und empfahl mir, für meine Gesundheit zu sorgen. Ich ging den 4. Juli um die Mittagszeit nach Ebersdorf, so wie es meine Gesundheit zugelassen und den 5. Juli nach Piravart. Was nun während dieser Zeit geschehen, davon kann ich wegen meiner Abwesenheit keine Relation erstatten und wäre solche von dem während meiner lOtägigen Abwesenheit das Korps verwaltende FML Graf Klenau einzureichen. Den 6. Juli, eben als ich mich wollte in das Bad tragen lassen, wurde ich in Piravart benachrichtigt, daß der Feind bereits in Gerasdorf eingerückt sei und unser ganzer linker Flügel zurückgeschlagen, auch die ganze Stellung bei Aspern dieser Ursache willen habe verlassen werden müssen. Ich nahm denn meinen Weg über Brünn und traf den 14. Juli bei dem Korps in Iglau ein, eben als jenes nach Premislau zu marschieren aufgebrochen war. — Ich marschierte mit dem Korps bloß als Zuseher, weil auf meine erstattete Meldung wegen meiner Einrückung von S. K. H. dem E. H. Generaliss. noch keinen Befehl, das Korps Kommando zu übernehmen, eingelangt war. — Den 21. Juli erhielt ich in Hohenwart den Befehl vom E. H. Generaliss. K. H., das Korpskommando wieder von FML Klenau zu übernehmen '). Um das so geschwächte Armeekorps wieder zu ergänzen, erhielt ich 13 Bataillone und 51/2 Eskadron Kavallerie1). Den 11. August erhielt ich den Befehl, mit dem Armeekorps über Radosowcze, Jablonecz, Kruppa nach Freystadt a. d. Waag in die Kanto- nierung zu rücken. S. Kais. Hoheit der E. H. Generaliss. verließen die Armee, beurlaubten sich bei selber und machten derselben bekannt, daß S. Majestät selbst das Oberkommando übernehmen würden, jedoch aber zum Kommandierenden den Chef für die große Armee den General der Kavallerie Fürst von Liechtenstein zu ernennen geruht hätten und bei dieser Gelegenheit auch eine Ordre de Bataille herausgegeben. In dieser Aufstellung verblieb das Korps ohne Veränderung. In dieser Aufstellung waren mehrere bedeutende Irrungen, welche mich veranlaßten, wegen der Truppen, die zu meinem Armeekorps zugewiesen waren, Vorstellungen zu machen. — Der Feind schien noch entfernt zu sein, weil an der Waag Verschanzungen mußten angelegt werden. Nebst diesem schien auch der von dem Armee-Genenal-Kommando erhaltene Befehl dahin zu deuten, daß die Feindseligkeit wieder ihren Anfang nehmen könnten. Die Armee war außerordentlich gedrängt dislociert, es fing an, an allem zu mangeln. Krankheiten fingen an einzureißen und es gab dies- wegen viele Vorstellungen. Endlich, den 15. September wurden die 1) Auslassung einer Reihe von Hinweisen auf Dokumente in der Anlage.