Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
206 Manfried Rauchensteiner blick so gleichgültig dabei geblieben, bis die Vorteile verloren waren und der Feind s.ich auf dem Hansel Grund festgesetzt hatte. War man entschlossen, wie geäußert worden, an der Donau defensiv zu bleiben und nur von der durch einen abermaligen feindlichen Angriff gebenden Blöße Vorteil zu ziehen, ja so glaube ich, hätte wohl auf dem linken Flügel das Nämliche in Rücksicht auf die Verteidigungsanstalten geschehen sollen, was in dieser Hinsicht auf dem rechten geschehen, nicht aber bloß eine solche Position mit einer schwachen Avantgarde zu besetzen. Doch der beste Richter in dieser Sache ist leider die traurige Zeitfolge, gegen welche im Angesicht der Welt bloß die Bravour der Armee entschuldigen kann. — Meine Gesundheitsumstände waren schon seit einiger Zeit nicht die besten und ich wurde nachmalen mit solchen Brustschmerzen befallen, welche mich zwangen, mich sogleich niederzulegen und verhinderten mich gänzlich, mich aufrecht halten zu können. — Nachdem also wieder die Armee in ihre alte Aufstellung zurückzugehen den Befehl hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als für meine Truppen eine Disposition zu entwerfen und herauszugeben. Den 4. Juli in der Früh erhielt ich den Befehl von S. K. H. dem E. H. Gene-, raliss., daß der Feind wirklich seine ganze Macht bei Kaiser Ebersdorf und in der Lobau versammle; auch ich hatte hierüber von meinen Vertrauten Nachricht. Es war demnach nicht mehr zu zweifeln, daß der Feind ganz sicher etwas zu unternehmen gesonnen sei. Wenn nun so wiederholt bestätigende Nachrichten einliefen, wenn nun schon der Feind nicht allein die Donau übersetzt, sondern sich auch schon auf unserem linken Flügel manchen Punkts bemeistert hatte, so war es, glaube ich, nicht zweckmäßig, die alte Armee wieder in ihre alte Aufstellung zurückgehen zu machen, vielmehr aber wohl, den linken Flügel zu verstärken und mit aller Gewalt den bereits übersetzten Feind wieder in die Lobau zurückzuschlagen. Doch das geschah nicht. Dem Feind wurde Zeit gelassen, seine Operationen recht ordentlich anfangen zu können. Es wurde gegen denselben auf keiner Seite eine Bewegung gemacht, sodaß derselbe auch alle möglichen Truppen auf diesem Punkt zusammenziehen konnte, um den Schlag mit allem Nachdruck ausführen zu können. Den 3. Juli abends wurde mir so schlecht, daß ich gezwungen war, mich nach Hirschstetten zu begeben und mich ins Bett zu legen. Den 4. Juli bemühte ich mich vergebens aufzustehen; ich war nicht im Stande aufzubleiben und um die Krankheit nicht überhandnehmen zu lassen, glaubte ich nach dem ärztlichen Rat durch einige Bäder und Ruhe mich in 8 oder 10 Tagen wieder zu erholen. Ich mußte mich daher entschließen, auf diese Tage die Armee zu verlassen und nach Piravart, welches 4 Stunden entfernt war, zu gehen, um dort das Bad zu gebrauchen. Den 4. Juli in der Früh erhielt ich noch vom E. H. Generaliss. K. H. einen Befehl und da meine Gesundheitsumstände ganz zerrüttet waren und ich nicht im Stande gewesen, Dienst zu leisten, so fand ich mich