Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 199 der ganzen Armee, wo mir doch alles zu meinem durch diese zwei Tage der Schlacht hindurch geleisteten wichtigen Dienst Glück wünschte, nicht sollte beobachtet, sondern bloß der General Vaquant und Hauptmann Magdeburg das öffentliche Lob und Belohnung verdient haben. Wahrlich eine Sache, welche bloß von denjenigen herrührt, welche die Relation geschrieben und gegen welche ich mich wegen der Wahrheit vermessen hatte, der Herr angegen in der Ordnung der Geschäfte darauf vergessen. Vermög meinem Bericht hatte ich am 11. Juni die 4 Inseln, nämlich den Zamet oder Lettenhaufen, Beinweithaufen, Ganshaufen und Seiden­haufen besetzt und von den feindlichen Flößen so viel erfahren, daß solche gegen Kaiser Ebersdorf wären gebracht worden und die Brücke geöffnet gewesen. Der Befehl des E. H. Generaliss. K. H. wegen Erbauung der Brücke von Flößen über die Donau in die Lobau hatte seine Richtigkeit, doch war wegen eines feindlichen Angriffs noch nicht zu gedenken und meine Truppen waren ohnehin immer so nahe gelagert, daß selbe wohl nie zu spät kommen konnten. — Doch darf ich nicht vergessen, hier die Bemerkung zu machen, daß sich der am 21. und 22. Mai geschlagen wordene Feind durch die Zeit, welche man demselben ohne eine offensive Operation gegen ihn unternommen zu haben, dergestalt wieder erholt hatte, daß seine Operation allerdings schon im vollen Maß offensiv war und wir leider in eine zweifelhafte, besorgliche Defensive zurückgetreten waren, doch aber dafür nicht wollten gehalten werden, wenn sich dies durch unser Benehmen in der Folge nicht bestätigt hätte1). Laut dem erhaltenen Befehl (vom 13. Juni) glaubte man noch immer an einen feindlichen Angriff aus der Lobau an diesem Tag. Nun war demnach nicht mehr zu zweifeln, daß der Feind auch eine Jochbrücke über die Donau aus der Lobau nach Kaiser Ebersdorf nebst der Schiffsbrücke geschlagen habe. — Ich hatte es endlich dahin gebracht, daß die Toten wegen deren üblen Ausdünstungen nicht mehr zu bleiben war, haben begraben werden können. In dem Bericht (vom 15.) meldete ich, daß bereits alle Verschanzungen fertig und ich die Truppen vermög der eingeschickten Disposition ausrücken und jedem seine Bestimmung weisen werde. Vermög einer Meldung hatte der Feind wegen dem bei Raab erfochtenen Vorteil das Freudenfeuer geschossen und solches auch in Wien befolgt. — Während also die Armee die Zeit mit einer außer­ordentlichen Untätigkeit verloren und immer auf einen Angriff aus der Lobau besorgt war, machte selber seine offensiven Operationen gegen Ungarn, schlug die Insurrektion und das Armeekorps bei Raab, zer- nierte solches und dehnte sich bis gegen Ofen aus. Würde aber auf meinen Vorschlag gleich nach der Schlacht die offensive Bewegung genommen und über Preßburg geschehen sein, so würde der Feind nie mehr dazu gekommen sein, Raab zu bekommen und die ganze Insurrektion auf eine *) *) In der hier vorliegenden Abschrift fehlen an dieser Stelle einige Hinweise auf Dokumentenstücken ohne Bedeutung.

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