Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

200 Manfried Rauchensteiner so leichte Art zu zersprengen. Doch mein Vorschlag war nicht gut, Wimpffen hatte durch seine Reise wichtigere Gründe gefunden, etwas anderes zu tun und so verloren wir einen Vorteil um den anderen. — Auf den erhaltenen Befehl (vom 17.) war man denn wirklich in der Erwartung, der Feind werde aus der Lobau den Angriff versuchen. Sieh angegen des Biberhaufens zu bemächtigen war keine so unbedeu­tende Unternehmung, wie ich schon diesfalls bei dem Verlust dieser Insel erwähnt, hatte man diese Insel von einer solchen Wichtigkeit ge­funden, ja so wäre wohl besser gewesen, mir gleich im Anfang so viele Truppen zu geben, als ich zur Besetzung aller dieser Inseln könnte nötig haben, allein man ließ mich die ganze Zeit mit einem schwachen Armee­korps stehen und die ganze Armee war rückwärts unnötig und unbe­schäftigt aufgestellt, außer daß solche mit Manövrieren um viele tausend Gulden in den Feldern Schaden machten, wo die Bewegung mit selben geschehen. Ich kann beweisen, daß mir, um dem Befehl Genüge zu leisten, manches fehlte, wessen twegen ich das Verlangen gestellt. Den 19. Juni erhielt ich vom E. H. Generaliss. K. H. ein Schreiben, wonach mir Seine Majestät auf Seinen Vortrag wegen meiner ausge­zeichnet geleisteten Dienste eine Donation von 50.000 Gulden in Wert zu verleihen geruht hätten. — Den 20. Juni in der Früh ging ich nach Deutsch Wagram, um mich für diese Gnade zu bedanken. Bei dieser Gelegenheit geruhten S. K. H. sich mit mir über die Lage der Umstände einzulassen. Meine Meinung war immer die Offensive und die Klage, soviel Zeit verloren zu haben. Allein ich wurde auf das Betragen der Russen aufmerksam gemacht und mir noch bemerkt, daß gegenwärtig sozusagen die letzten Streit­kräfte der militärischen Macht aufgestellt wären und bei einem un­glücklichen Ereignis dann keine Aushilfe mehr übrig bleibe. Lange wurde mit Aufführung mancher wichtiger Ursache wider Krieg und wider Frieden gesprochen, bis endlich nach langen Beweisen die Stimme für den Frieden nach den Umständen die Oberhand behielt. Da ich nun auch zu S. Majestät, um mich für die Donation zu bedanken, um die Erlaubnis, nach Wölkersdorf zu gehen bat, so fragte ich auch S. K. H. den E. H. Generalissimus, ob ich bei sich ergebender Gelegenheit auch mit S. Majestät diese offene Sprache zu führen mich unterfangen dürfte. S. Kais. Hoheit versicherten mich, daß es Ihm allerdings lieb sein würden, und in dieser Folge hatte ich S. Majestät (gegenüber), nebst allen meinen anderen Bemerkungen mich auch unterfangen, für den Frieden meine Meinung zu geben. — Unbewußt, daß man noch in der vollen Überzeu­gung war, gegen alle Feinde ohne Gefahr auftreten zu können, sprach ich so aufrichtig, wie es sich für einen redlichen Untertanen gegen seinen Herrn geziemt. Doch dies war mir von manchen zum Verbrechen gemacht worden, was ich erst nach der Hand, leider aus Erfahrung und durch den mir zugegangenen Nachteil wahrnehmen mußte.

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