Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

194 Manfried Rauchensteiner Angriff in dieser Zeit verteidigen zu können; nur machte ich den E. H. wegen dem linken Flügel aufmerksam, weil dieser bloß mit einer Avant­garde besetzt gewesen. Wimpffen war also nach Preßburg abgegangen und bis zu seiner Rückkunft war an keine Änderung zu denken. — Am 27. Mai unterlegte ich den Bericht wegen der aus Verräterei fehlgeschlagenen Unterneh­mung zur Vernichtung der feindlichen Brücken in die Lobau (durch) zum Ablassen bestimmt wordene sogenannten Kaiser Mühlen. Den 28. erhielt ich die (neue) Ordre de Bataille, bei welcher ich mir nur die Bemerkung zu machen erlaube, daß wenn die Absicht nach den gemachten Vorschlägen wirklich war, mit der Armee offensiv zu agieren, die Aufstellung der Avantgarde zweckmäßig genommen wäre; wenn jedoch, wie die Folge zeigen wird, ein anderes, als Offensivsystem angenommen worden, so lag der erste Fehler schon darin, daß nicht auch auf dem linken Flügel anstatt einer unverhältnismäßigen Avantgarde, nicht auch ein starkes Armeekorps für selben bestimmt worden, um dem Feind keinen weiteren Vorteil über uns einzuräumen. Vermög der Verhaltung glaubte ich ganz unfehlbar, daß in Bälde eine offensive Operation würde vorgenommen werden und Wimpffen müßte also von seiner Reise von Preßburg schon wieder zurückgekommen sein. Den 28. Mai, um 6 Uhr nachmittag, erhielt ich vom E. H. Generaliss. K. H. den Befehl, nach welchem ich den General Bianchi mit seiner Brigade nach Preßburg in Marsch setzen mußte. Es wurde mir zwar General Nordmann mit der Avantgarde zugewiesen, allein da selber eine große Strecke zu besetzen hatte und selbe kaum zu be­setzen im Stande war, so diente mir diese Zuweisung zu keiner Verstär­kung. — Ich hatte also den Auftrag zur Erleichterung einer vorhabenden Unternehmung pünktlich erfüllt und glaubte, daß, da Biachi mit der Brigade nach Preßburg abgeschickt worden, Wimpffen zurückgekommen sein müßte und die Operation nächster Tage anfangen werde. Die üble Ausdünstung von der Menge an Toten und Pferdekadavern zwang mich, Bericht zu erstatten, weil nur mich das Los getroffen hatte, auf dem Schlachtfeld meine Aufstellung zu erhalten. Die Nachricht (vom 30.) gibt wohl deutlich zu ersehen, daß der Feind einen Angriff von Preßburg her besorgte; wäre nun die von mir vorgeschlagene Operation vorgenommen worden, so wäre bis an diesen Tag, nämlich den 30. Mai, der Feind schon geworfen, ja schon Wien verlassen gewesen und wir auch bei Krems, um dem fliehenden Feind empfindlichen Abbruch zu tun und würden Melk erreicht haben; es würde derselbe vernichtet worden sein, wenn alles Landvolk wäre aufgeboten worden, nachdem solches nur auf einen solchen Zeitpunkt mit Ungeduld harrte. (Es folgt) der Bericht wegen Beerdigung der Toten und Demolierung des feindlichen tété ponts und daß ich bei der Schwäche des Armeekorps und der vielen Detachements mich glücklich schätzen kann, allen Insulten gehörig zu widerstehen. — (Dann) der Bericht, daß der Feind sich auch

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