Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 193 am nämlichen Tag, wenn der Übergang bei Preßburg vorgenommen worden, geschehen kann, so hätte der Feind schon die erste gute Auf­stellungsposition verloren, würde dann nicht mehr wagen dürfen, es noch vor Wien zu einer Schlacht kommen zu lassen, sondern er würde nach allen den kombinierten und bereits bemerkten Unternehmungen Sich genötigt sehen, um sich nicht ganz aufreiben zu lassen, sogar über der Traisen bei Melk seine Aufstellung zu suchen. — Selbst im unglücklichen Fall, welcher sich nicht vorzustellen, waren keine Nachteile vorzusehen, indessen der Feind in keiner solchen Lage, daß man mit Besorgnis gegen denselben eine offensive Operation zu unternehmen Anstand nehmen sollte. — Ferners würde auch diese Operation dem E. H. Johann, welcher mit dem übrigen Teil seiner Armee bereits nach Ungarn sich ziehen müsse, den Vorteil verschaffen, daß der ihn verfolgende Feind unter dem Vize- König aus Italien seine offensive Operation aufzugeben gezwungen werde und die Vereinigung der feindlichen Armee dadurch gehindert sei. Daß wir ferner bei dieser Operation bei Preßburg einen ganzen Tag Vorsprung vor der feindlichen Gegenbewegung hätten, weil der Feind von dem ersten Tag des Aufbruchs, wenn die Armee sich gegen Preßburg in Marsch setzt, keine so geschwinde Nachricht haben könne und endlich, daß vom gegen­wärtigen Augenblick an, wenn S. K. H. sogleich die Disposition entwerfen lassen wollte, bis 29. Mai die Armee ganz sicher bei Petronell in der Position aufgestellt sein würde und den 30. Mai kein Feind mehr in der Lobau, ja vielleicht nicht einmal mehr Wien könnte besetzt behalten. Dem E. H. Generaliss. K. H. gefiel mein Vortrag, ich berechnete ihm auf der Karte die Bewegung und er war ganz mit mir einverstanden, allein General Wimpffen machte allerhand unbedeutende Einwendungen und beredete denselben, ehe als es zu dieser Operation kommen sollte, ihm zu erlauben, daß derselbe von allen den Umständen mittels einer Reise nach Preßburg selbst die Überzeugung verschaffen konnte. Ich wandte freilich hier ein, daß die Zeit hiezu unnötig verloren wäre und daß, bis die Truppen in Bewegung gesetzt werden und dorten anlangten, durch Vorraussendung eines geschickten Stabsoffiziers vom Generalstab alles Notwendige vorbereitet werden könnte, weil es sich hier hauptsächlich- lich um die so geschwinde als mögliche Aufstellung der Armee bei Petronell zu gewinnen handle. Doch es war umsonst; Wimpffen, dessen Worte bei dem E. H. Generaliss. K. H. mehr Gewicht hatten, schwächte alle meine Vorstellungen und es blieb dabei, daß Wimpffen erst nach Preßburg gehen müsse. So schieden wir von einer so wichtigen Unterredung, welche einen solchen Gegenstand betraf, von dem der gute Ausgang die Monarchie von einem schädlichen und erniedrigenden Frieden retten könnte. — Der E. H. Generaliss. K. H. ritt mit mir längs meiner Aufstellung und den Verschanzungen, an denen bereits so viel gearbeitet, als man von einem schwachen Korps fordern konnte, diese Position wider einen feindlichen Mitteilungen, Band 17/18 13

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