Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

192 Manfried Rauchensteiner zu ängstigen, mir 30.000 Mann zu lassen, mit welchen ich gegen Ver­pfändung meines Kopfes dafür stände, daß der Feind die Donau nicht passieren werde, mit der Armee angegen in Eilmärschen über Preßburg nach Wien vorzurücken und bei Krems Übergangsdemonstrationen machen zu lassen; allein mein Vorschlag hatte nicht das Glück, Beifall zu erhalten und schien dem General Wimpffen nicht anpassend. In diesem Zustand kehrte ich wieder zurück, ohne etwas entschieden worden zu sein. Am 25. Mai wurde die Disposition für den 25. Mai herausgegeben; den 26. Mai erhielt ich den Befehl, mit dem Obristen Cholitz vom GQM Stab um 2 Uhr nachmittag nach Stadl Enzersdorf zu kommen, weil S. K. H. der E. H. Generaliss. mit mir zu sprechen wünschte; eher als ich diesen Befehl erhalten hatte, erstattete ich (noch) Bericht. Bei meinem Eintreffen in Stadl Enzersdorf waren auch S. K. H. der E. H. Generaliss. mit den Generalen Wimpffen und Stutterheim einge­troffen. Nachdem mich derselbe über die feindliche Aufstellung verschie­denes gefragt und demselben alle Umstände gemeldet wurden, fragten mich höchstderselbe, was ich glaube, wohin sich der Feind wenden und was seine Absicht sein könne. — Ich nahm mir die Freiheit zu bemerken, daß, wenn man den Feind gleich am 23. Mai nach der Schlacht, wie derselbe sich für ganz verloren gehalten und sozusagen die terreur panique einge­rissen war, angegriffen und mit Geschütz in der Lobau geängstigt hätte, derselbe schon bis zur Stunde würde Wien verlassen haben; gegenwärtig angegen scheint sich derselbe von seinem Schlag erholt zu haben und setze sich in die Lage, den zu erwartenden Angriff aushalten zu können; Von demselben noch besetzte Lobau könnte zwar genommen werden, würde jedoch viele Menschen kosten und da S. K. H. ohnehin über den erlittenen Verlust klagten, so müßte also ein anderer Angriff geschehen, weil es sonst außerordentlich gefehlt wäre, den Feind nach einer so blutig ge­wonnenen Schlacht zur Erholung neuer Kräfte stehen zu lassen und mit der ganzen Armee sich zu begnügen auf dem linken Ufer stehen zu bleiben. Ich wäre daher der Meinung, daß, nachdem eine Operation über Preßburg die einzige vorteilhafte, geschwindeste und welche ohne vom Feind so bemerkt werden zu können, als wie jene, welche man etwa bei Tulln oder Krems unternehmen wollte, solche ohne Zeitverlust zu unternehmen und zwar 30.000 in der hierortigen Aufstellung zu belassen, wo ich dann meinen Kopf verbürgte, daß der Feind die Position nicht überwältigen werde, sodann also mit der ganzen übrigen Armee in zwei forcierten Märschen nach Preßburg zu gehen, dorten die Donau zu passieren — welche Passage der Feind jetzt nicht verwehren könnte — sonach mit der Armee und dem Teil der Munition, welcher bereits mobil, vorzudringen; während dieses unternommen würde, hier bei der Lobau, bei Nußdorf, aus der Schwarzen Lacken Au und bei Krems durch FML Schusteck alle möglichen Anstalten zu einem Angriff und einer Unternehmung vor­nehmen zu lassen. Wäre die Armee einmal bei Petronell auf gestellt, was

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