Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

174 Manfried Rauchensteiner E. H. Generaliss. K. H. keine andere Weisung hätte, zum allgemeinen Besten sogleich fortzusetzen und in Krems nur ein kleines Detachement zu lassen, weil der Feind sicher mit seiner ganzen Macht in Marsch auf Wien begriffen wäre. An eben diesem Tag gab ich dem E. H. Maximilian königl. H. die Antwort, wo ich am Schluß die Worte des E. H. Generaliss. K. H. anführte: „Ich müßte den Herrn Feldmarschalleutnant sehr ver­antwortlich machen, wenn Sie sich durch was immer für Umstand ver­leiten ließen, sich gegen Wien zu ziehen“. — Aus dem folgenden Befehl des E. H. Generaliss. K. H. ist denn auch mit mehreren zu ersehen, welche Verhaltung mir hochderselbe erteilt und daß ich selben in aller Rücksicht vollkommen erfüllt, ja selbst noch weit vorteilhaftere Schritte gemacht. — Der Bericht vom 9. Mai vormittag an den E. H. Generaliss. K. H. gibt die Ursache zu entnehmen, warum ich Mautern verlassen, doch aber für die Behauptung von Stein und Krems mich auf alle Fälle verbürge, auch wie ich zu dieser Verteidigung die Aufstellung bewirkt, daß ich angegen die gegen Wien führenden, äußerst schlechten Wege zugleich zurecht machen lasse, um bei keiner Bewegung Anstände zu finden. -— Die Meldung des General Mesko, von welcher der E. H. Maximilian königl. Hoheit in seinem Schreiben vom 8. Mai Erwähnung macht1), ist eine natürliche Folge von der feindlichen Bewegung, jedoch muß ich hier die Bemerkung machen, daß General Mesko größtenteils die Gefahr immer größer zu machen pflegte, als solche wirklich war, wie ich hierüber mehrere Beispiele hatte. Inzwischen ist nicht in Zweifel zu ziehen, daß der Marsch der feindlichen Armee mit aller Anstrengung immerfort gegen Wien gerichtet gewesen. Dem E. H. Maximilian königl. Hoheit machte ich bekannt, daß, obwohl es gegen die erhaltenen Befehle, ich dennoch, nachdem der Feind mit einer starken Kolonne längs der Donau gegen Traismauer hinausgerückt, ich das 2. Reservekorps nach Kirchberg beordert, um die feindliche Bewegung zu beobachten. Den 10. Mai um 2 Uhr früh erhielt ich von dem E. H. Generaliss. K. H. einen Befehl aus Gratzen, dto. 9. Mai, in welchem derselbe nunmehr es von aller Wichtig­keit findet, daß ich nach Zurücklassung eines Detachements von 8.000 Mann unter dem FML Schusteck mit den übrigen Truppen sogleich gegen Wien aufbreche und zwischen Krems und Wien eine angemessene Stellung nehme. Bei meinem Eintreffen in Kirchberg erstattete ich dem E. H. Maxi­milian königl. H. über meine Bewegung Bericht und im Schluß desselben machte ich demselben zu wissen, daß ich leider diesen Augenblick die Brücke bei Mautern brennen sehe, ohne noch das Resultat davon zu wissen, was doch vermög meinem gegebenen Befehl kein anderes könne gewesen sein, als daß etwa der Feind sich solcher bemächtigen wollte; dieses angegen wäre mir unwahrscheinlich, weil man die ganze Zeit gegen 1) Lt. Anlage Dok. Nr. 139 meldet Gen. Mesko, daß er bei Sieghartskirchen von überlegenen Kräften angegriffen wurde.

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