Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 175 Perschling große Staubwolken habe über dem Riederberg aufgehen gesehen, und es scheint mir, daß die feindliche Avantgarde bis Purkersdorf und die Kolonne bis Sieghartskireben gekommen sei. In Kirchberg überzeugte ich mich durch das Fernglas, daß die feindliche Armee in aller möglichen Eile, ja die Kavallerie sogar im Trupp Wien zueilte, und als mir inzwischen die Meldung zugekommen war, daß die Brücke bei Mautern bloß durch ein Mißverständnis wäre angezunden und vom Feind nichts unternommen worden, faßte ich den Entschluß, bei solchen Umständen nur durch eine außerordentliche Bewegung dem Feind bei Stockerau, Korneuburg und in der Gegend von Nußdorf zuvorzukommen und selbem den Übergang über die Donau in dortiger Gegend streitig zu machen. — Ich ließ die Truppen ein paar Stunden ausruhen, versprach jedwedem Mann, der den anderen Tag mit der Truppe bei der Donau Spitz eintreffen werde, nebst der Erfrischung unterwegs noch 1 Gulden zu bezahlen. Den 11. Mai waren auch meine sämtlichen Truppen von der Spitz an bis auf Jedlersdorf aufgestellt. Dem E. H. Maximilian königl. H. machte ich von meiner getroffenen Disposition meine Bewegung bekannt. Als ich am 11. Mai von der Spitz schon wieder nach Korneuburg zurückgeritten war und alle Veranstaltungen getroffen hatte, erhielt ich den Befehl vom E. H. Generaliss. K. H., dto. Zwettl, d. 10. Mai, welchen ich wirklich dergestalten schon befolgt hatte, daß mir nichts mehr zu tun übrig blieb; nur war in diesem Befehl bestimmt ausgedrückt „Mich keineswegs in die Stadt zu ziehen, sondern eine zur Verteidigung der Donau zwischen Wien und Krems angemessene Stellung zu nehmen“. — In Korneuburg, den 11. Mai, erhielt ich von E. H. Maximilian königl. H. ein Schreiben, zu dem ich nur zu bemerken habe, daß ich durch meinen schnellen Marsch auch dasjenige bereits erfüllt hatte, was derselbe ge- wunschen, wie denn dasselbe durch dessen Schreiben vom 11. Mai bestätigt, und daß selber vermutet, morgen, den 12. Mai, ganz sicher vom Feind angegriffen zu werden. Bei solchen Umständen fand ich daher nötig, nachdem schon alle Truppen an ihre Bestimmung, das 2. Reservekorps mit den Grenadieren am Spitz eingerückt waren, mich selbst wegen einer Unterredung mit dem E. H. Maximilian königl. H. nach Wien zu begeben. Ich eilte dahin, kam den 11. Mai um 103/4 Uhr vormittag an und stieg im Kriegsgebäude bei dem E. H. ab. Das erste, was mir derselbe sagte, bestand in dem, daß es ihm an regulären Truppen fehle, welche ihm zu dieser Verteidigung notwendig wären und Wien damit versehen werden müßte. Derselbe machte mir verschiedene Erklärungen, wie derselbe die Verteidigung bereits angeordnet, bestand jedoch immer darauf, noch Linientruppen haben zu müssen. Ich gab ihm wiederholt die Versicherung, daß ich mit dem ganzen Korps diesen außerordentlichen Marsch von Krems bis Jedlersee gemacht hätte, um auf jeden Fall die Gegend der Donau von Tulln bis Wien gegen jeden feindlichen Übergang zu verteidigen, daß ich angegen vermög aus