Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 171 In Ennsdorf, den 4. Mai, vor meinem Abrücken erhielt ich von dem E. H. Generaliss. K. H. den Befehl, dto. Budweis, den 3. Mai1). Da die Ereignisse wegen der Brücke von Mauthausen und die Abbrennung jener bei Linz bereits vorhergehend ausgeführt, so kommt hier nur noch die Bemerkung zu machen, daß, wenn ich mit den Truppen die Donau bei Linz oder Mauthausen passiert hätte, der Feind also ungehindert Wien in der Zeit von 4 Tagen würde erreicht und sich vor allem dessen, was an Milli­onenwerten nicht weggeschafft war, bemächtigt haben würde, ja selbst dort die Donau passiert und die Armee von der Kommunikation mit Un­garn abgeschnitten haben. Wenn von seiten der Armee nur ein einziges Armeekorps, da ohnehin sehr wenig vom Feind allda aufgestellt gewesen, über die Donau wieder gegangen und dem Feind im Rücken nachgesetzt wäre, würde der Feind mich nicht mit seiner ganzen Macht haben ver­folgen und ich die Gelegenheit gefunden haben, denselben so wie bei Neu­markt vielleicht bei Schärding aufreiben zu können und die Residenzstadt von seiner Invasion zu retten. — Ich erstattete dem E. H. Generaliss. K. H noch von Ennsdorf, den 4. Mai, Bericht. Ich fand für notwendig, so­wie ich in Strengberg den 4. Mai anlangte, dem E. H. Maximilian Königl. Hoheit, welcher die Verteidigung der Hauptstadt über sich genommen hatte, von diesen eingetretenen Umständen Bericht zu erstatten. Obwohl die Truppen, welche bereits seit 18. April beständig fast for­cierte Märsche machten und ganze Tage mit dem Feind raufen mußten, ziemlich abgemattet und nur einen Tag Ruhe zu haben nötig hatten, so erlaubten mir dennoch die Umstände keineswegs, den überlegenen Feind in der Aufstellung von Strengberg zu erwarten, sondern ich setzte, um Zeit zu gewinnen, mit den Truppen den weiteren Marsch noch den 4. Mai nach Amstetten fort. Von Amstetten, nachdem S. M. vermög dessen Hand­schreiben bis nach Budweis abgereist war und also von mir keinen wei­teren Bericht erwartete, erstattete ich dem E. H. Generaliss. K. H. Be­richt. Während dieses Marsches wurde nur von Zeit zu Zeit meine Arriere- garde angegriffen, doch blieb das Gefecht immer nur einzeln. — Alle mir zugekommenen Nachrichten trafen darin überein, daß der Feind mit einer starken Kolonne den Weg über Steyr und so fort immer in meiner linken Flanke genommen, auch wirklich den GM Nordmann mit seinem Detache­ment von mir getrennt habe. — Bei Melk wurde die Arrieregarde vom Feind mit außerordentlicher Wut angefallen und nur durch die Bravour der Grenadiere und E. H. Carl Ulanen wurde der Feind zurückgeschlagen, uns angegen ein Verlust von 142 Mann und soviel Pferden verursacht. Bei meinem Eintreffen in Kemelbach erstattete ich dem E. H. Maximilian königl. H. Bericht, in welchem ich demselben von all dem Vorgefallenen Erwähnung machte. Eben auf diesem erst erwähnten Marsch nach Melk 1) In diesem Befehl wird Hiller 1t. Anlage Nr. 110 in schärfstem Ton auf­gefordert, wenigstens bei Mauthausen über die Donau zu gehen, um die Ver­einigung mit dem E. H. zu erreichen.

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