Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
172 Manfried Rauchensteiner am 6. Mai erhielt ich auch vom E. H. Generaliss. K. H., welcher mit der Armee noch immer bei Budweis war, ein Befehlsschreiben, worin mir derselbe bedeutet, mit Zuversicht zu verwarten, daß ich den 8. Mai den Übergang- über die Donau nach Zurücklassung der für das Donautal bestimmten Truppen bewirken werde. — Ich detachierte die anbefohlen wordenen 10.000 Mann mit den Generalen und außer diesen kamen noch der von mir getrennt wordene General Nordmann und Provencheres mit lauter Kerntruppen dazu. Vor Melk brauchte ich die Vorsicht, daß ich eine detachierte Kolonne den sogenannten Donau-Weg nach Mautern gehen ließ, damit mir nicht etwa während ich mit dem ganzen Fuhrwerk über St. Pölten gehe, der Weg dahin abgewonnen und hatte wirklich recht gehandelt, denn kaum war mir der Feind nachgefolgt, als derselbe gleichfalls eine Kolonne mit Artillerie diesen Weg machen ließ, doch durch das eingetretene, entsetzliche Regenwetter wurde diese Seitenstraße dergestalt verdorben, daß der Feind mit seinem Geschütz nicht fortkam und also die Zeit verloren hatte. Dem E. H. Maximilian k. H. erstattete ich noch den 6. Mai aus Melk Bericht, in welchem ich demselben die Generale und die Zahl der ihm zu sendenden Truppen und wohin solche marschieren und daß solche von diesem Augenblick an von seinem Befehl abhingen (angab). — Bei meinem Eintreffen in St. Pölten am 7. Mai erhielt ich ein Schreiben von E. H. Maximilian königl. Hoheit1) und kann nur die Bemerkung machen, daß, nachdem die Truppen für Wien bestimmt waren und ich solche an selben angewiesen, es nur von demselben abhing, ihnen den Befehl, wie sich selbe zu verhalten hätten, zuzuschicken; was übrigens die Wiener Frei-Batail- lone betrifft, so konnten solche nicht so geschwind den ersteren folgen, weil selbe in der Marschordnung eine von den letzten waren. Mit General Nordmann und Provencheres wurden wohl mehr als 12.000 Mann abgegeben. Die 6 Wiener Freiwilligen Bataillone trafen alle den 8. Mai in Wien ein; wegen des Wohl Verhaltens der Wiener Freiwilligen bei Ebelsberg war mir wirklich noch nicht so viel Zeit übrig geblieben, etwas in einer Relation zu erwähnen. Es war notwendig, um den 8. Mai sicher bei Mautern über die Donau zu gehen, noch am 7. Mai einen weiten Marsch zu machen, Aus dieser Ursache wurden die Truppen nach erhaltener Erfrischung gleich wieder in Marsch gesetzt, um, wie in der Disposition gesagt worden, bei Göttweig sich aufzustellen; mein Hauptquartier angegen verlegte ich nach Furth Den 7. Mai abends erhielt ich vom E. H. Generalissimus K. H. den Befehl, in welchem mir derselbe zu wissen macht, daß er mit der Armee, um sich mit mir bei Krems zu vereinigen, den 7. Mai aufbreche und den 13. oder 1) Lt. Anlage Dok. Nr. 123 fordert E. H. Maximilian von Hiller, daß dieser die Verstärkung für Wien in Eilmärschen abrücken läßt und sämtliche Wiener Freiwilligen-Baons beigibt.