Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 165 und selben dergestalt geworfen, daß es vor lauter Leichen nicht mehr möglich war, nach Neumarkt zu kommen, ohne solche aus dem Weg zu schaffen. Ein großer Teil, welcher die Brücke bei Neumarkt über die Rot nicht mehr erreichen konnte und über den Morast setzen wollte, ging in selbem zu Grunde. Und mit einem Wort: in einer Zeit von 5/l Stunden war der Sieg vollkommen und die Niederlage des Feindes zwang denselben, mit dem noch übrig behaltenen kleinen Teil eiligst die Flucht zu ergreifen. — Sein Verlust bestand in 887 Gefangenen, worunter 4 Stabs-Offiziere und 23 Offiziere waren und bei 3000 Mann blieben auf dem Walplatz1). Doch finde ich hier noch beizumerken, daß bei diesem Gefecht die bayrischen Truppen unter Wrede außerordentlich brav gefochten und also an eine Vereinigung mit uns wohl keine Hoffnung war, noch jemals gewesen ist. — Der Feind zog sich mit Abbrennung aller Brücken bis nach Landshut zurück, langte dort nur mit den Trümmern — von einem unter Marschall Bessieres 30.000 Mann stark gewesenen Korps vor meinem Angriff — an. Nach diesem glücklichen Ereignis war ich entschlossen, meinen Sieg zu verfolgen und wenigstens wieder bei Landshut über die Isar zu gehen; allein alle Nachrichten trafen darin überein, daß Marschall Massena mit seinem Korps in eben dem Augenblick vorrücken wollte, als Bessieres mit seinen Trümmern dortselbst anlangte und daß auch Kaiser Napoleon seine Armee dort aufstelle, weil der E. H. Generaliss. K. H. bei Regensburg geschlagen und sich über die Donau zurückgezogen hätte. Da ich nun außer dieser Nachricht von S. K. H. dem E.H. Generaliss. keine andere hatte, so blieb mir wohl nichts anderes übrig, als mich wieder bei Oetting hinter den Inn zu setzen und dort nach Umständen das weitere zu veranlassen. Ich war eben nach dieser glücklichen Begebenheit in dem Kloster St. Veit bei Neumarkt vom Pferd gestiegen, als ObristLt Bar. Reischach mit einem Höchsten Handbillet eingetroffen. Da nun Se. Majestät bei Abfertigung des genannten Obristleutniant von den Ereignissen bei Regensburg noch nicht in der vollen Kenntnis waren und der Bericht des E. H. Generaliss. K. H. bloß von dem Verlust, welchen unser linker Flügel der Armee gelitten, geredet, so war ich auch nicht im Stande, nach diesem Höchsten Befehl zu handeln, welchen Bericht ich sonach Se. Majestät erstattete Da aber, wie schon erwähnt, durch die mir eingegangenen Nachrichten die Umstände sich geändert hatten und ich wegen denselben von der weiteren Verfolgung des Feindes und umso mehr auch von der Vereinigung mit der Armee gar keine gegründete Hoffnung hatte, so mußte es wohl von diesem Vorhaben abkommen und bei dem Rückzug und Aufstellung hinter dem Inn sein Verbleiben behalten. Um 12 Uhr nachts, den 24. April, erhielt ich von S. M. mittels eines eigenen Kuriers ein Handschreiben, nach welchem meine genommenen Maßregeln, mich hinter dem Inn aufzustellen, umso zweckdienlicher wurden. Schmeichelhaft war * 263 1) Lt. Anhang Dokument Nr. 70 betrug der Verlust der Hiller'schen Korps 263 Mann.