Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

166 Manfried Rauchensteiner übrigens für mich, das Höchste Vertrauen, daß mir Se. Majestät das Kom­mando en Chef über alle Truppenkorps sowie über die Truppen, welche in ganz Österreich stehen, 'anzuvertrauen geruhten. Vermög eines zweiten Höchsten Handschreibens setzte ich den General Bubna in die vollkom­mene Kenntnis der Umstände, machte denselben mit den Vorteilen be­kannt, welche ich durch diesen glücklichen Schlag erreicht und daß wohl dermalen nichts anderes übrig bleibe, als weiter rückwärts eine Auf­stellung hinter dem Inn zu nehmen und da die weiteren Ereignisse abzu- warten. Noch vor meinem Abmarsch aus Oetting erstattete ich Se. Majestät Bericht, wie ich die Truppen aufzustellen gedenke und gab solchen dem zu Se. Majestät retournierenden General Bubna mit. Ich richtete meinen Marsch nach Moosbach der Ursache willen dahin, weil alle eingegangenen Nachrichten als zuverlässig angaben, daß der Feind bereits über Pass au nach Linz vorgedrungen wäre, um also wenigstens in dem Fall von Österreich nicht abgeschnitten werden zu können. Doch da mir in einer Zeit andere Nachrichten eingegangen, blieb ich bei dem Se. Majestät unterlegten Vorschlag. — Bei meiner Ankunft in Braunau erstattete ich Se. Majestät Bericht, nach welchem dann nicht mehr zu zweifeln war, daß der Feind alles anordnen werde, mit der bloß gegen mich allein versam­melten Macht bis Wien vorzudringen und mich — wenn von seiten der Armee bei Regensburg an der Donau keine offensive Bewegung geschieht, welches allein den Feind zwingen würde, seine Kräfte zu verteilen, folg­lich mir so noch möglich werden, denselben aufzuhalten — ganz sicher aufreiben werde. Den 28. April erhielt ich ein Handschreiben und er­stattete Se. Majestät Bericht mit Anschluß desjenigen, was ich von S. K. H. dem E. H. Generaliss. erhalten hatte und seit 19. April das erste war, was mir zugekommen und was ich höchstdemselben gemeldet. Es wäre über­flüssig hier noch was weiter zu erwähnen, als daß S. K. H. der E. H. Generálisa. mit der Armee nach Budweis sich zurückgezogen, daß selber vom Feind nicht verfolgt worden, sodann daß die ganze feindliche Macht sich gegen mich gewendet hatte. Nach allen diesen Ereignissen und da der Feind bei Passau und Schärding den Inn übersetzt hatte, blieb mir wohl nichts anderes übrig, als daß ich dahin starke Detachements abschickte, um doch auf alle Fälle noch vor dem Feind Ried zu erreichen. Zu diesem Ende stellte ich den FML Schusteck mit 10.000 Mann gegen Obernberg und St. Martin auf, um den bei Passau und Schärding übersetzten Feind zu beobachten und meinen Marsch zu decken; meinen Marsch angegen mit den übrigen Truppen setzte ich unaufgehalten fort um auf alle Fälle dem Feind zuvorzukommen. Auf dem Weg nach Haag, den 28. April, kam mir ein Offizier mit dem Befehl von Se. königl. Hoheit dem E. H. Maximilian entgegen, daß nach­dem derselbe in Haag eingetroffen wäre und mit mir notwendig zu spre­chen hätte, sich jedoch nicht lange aufhalten könnte, sollte ich eilen, zu

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